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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 87

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 87 (sequence 32)
Language
German
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87 stellungs- und Einbildungskraft. Sonst bedeuten alle die Ausdrücke vom Geiste bei den Propheten „nichts weiter, als daß die Propheten besondere und außergewöhnliche Tugend besaßen und mit außerordentlicher Seelenstärke die Frömmigkeit übten" (33) ^). Also nur sittlichen Geist haben die Propheten. Besteht denn aber kein Zusammenhang zwischen der Sitten-lehre und der Erkenntnis von Gott? Müßte nicht die echte Sittlichkeit ein Wunder sein bei einem Menschen, der diese Sittlichkeit auf Gott gründet, und dessen Vorstellungen von Gott der Erkenntnis ermangelten und ihr nicht gewachsen wären? Ein sonderbarer Grund für die Auszeichnung der Propheten bei dieser Mhrer geistigen Dürftigkeit taucht hier noch auf. Die natürliche Erkenntnis, die allen Menschen mit den Propheten gemein sei, stehe nicht so hoch im Werte, „namentlich nicht bei den Hebräern, die sich über alle Menschen erhaben dünkten, und die geradezu alle und damit auch das allen gemeinsame Wissen zu verachten pflegten" (34) 64). Das also ist der letzte Grund für die Auszeichnung der Propheten: der Hochmut der Hebräer über alle Menschen und ihre Verachtung der allen gemeinsamen Wissenschaft. Ist das Letztere ein historisches Urteil? Hat er es etwa von Maimonides, seinen Vorgängern und seinen Nachfolgern, entnommen? Aus ihrem geistig niedrigen Stande erklärt endlich Spinoza auch den Stil der Propheten: daß sie „fast Alles in Gleichnissen und Rätseln gedacht und gelehrt und alles Geistige körperlich ausgedrückt haben" (85)05) „Wir dürfen uns also nicht mehr wundern, daß die Schrift oder die Propheten so uneigentlich und dunkel von Gottes Geist oder Sinn reden . . daß diejenigen, die bei Christus waren, den heiligen Geist wie eine Taube herabsteigen, die Apostel ihn gleich feurigen Zungen und endlich Paulus bei seiner Bekehrung ihn als großes Licht gesehen. Denn das alles steht vollkommen im Einklang mit den gewöhnlichen Vorstellungen von Gott und Geistern"6G). Hier sind also die Apostel Unterschieds-

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