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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 84 (sequence 29)
Language
German
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84 Gott durch Christi Gei st sich den Aposteln offene bart, sowie einst dem Moses durch die Stimme aus der Luft. Darum kann die Stimme Christi geradeso, wie jene, die Moses hörte, Gottes Stimmeheißen" 57). Analysieren wir den Satz. Wir verstehen jetzt zunächst, warum die Erkenntnis Gottes der Herleitung, aus den „Grundlagen" entraten soll: die menschliche Erkenntnis soll durch Christus übertroffen werden. Nun richten wir hier keineswegs über das Bestreben Spinozas,, von der Bedeutung Christi eine Vorstellung zu gewinnen, die seiner Pietät für dessen Lehren gerecht werden will. Wir haben hier nur die Art zu prüfen, in welcher er Christus von Mose unterscheidet. Mose hört eine Stimme- Gottes, dem Christus aber offenbart sich Gott überhaupt nicht, sondern nnr die Placita Gottes offenbaren sicff ihm unmittelbar. Wenn aber -Gott selbst dem Christus sich überhaupt nicht offenbart, so wird ja die Analogie mit Mose hinfällig. Und hinwiederum kann man fragen: wenn Gott nur seinen Heilsplan Christus offenbart, so müßte in diesem zugleich die Wesenheit Gottes enthalten sein, wenn die Offenbarung an Christus nicht verkürzt werden soll. Indessen um Offenbarung handelt es sich gar nicht bei Christus, sondern die Empfänger der Offenbarung, werden jetzt die Apostel, denen Gott sich offenbart „durch den Geist Christi". Was also bei Mose der Stimme entspricht, das entspricht bei Christus dem Geiste. Indessen dieser Geist ist nicht der theoretische Geist des Menschen. Welche andere Bedeutung jedoch kennen wir und könnten wir erfassen? Es bleibt daher in der Tat nicht beim Geiste, sondern aus dem Geiste Christi wird flugs „die Stimme Christi", welche aber „die Stimme Gottes genannt werden kann". Würde Spinozaseinen Satz dahin fortgesetzt haben, daß der Geist Christi der Geist Gottes sei, so würde sich dies dem Gedankengefüge anschließen. Daß er aus dem Geiste wiederum die Stimme macht, kann nicht anders verstanden werden als durch die Absicht, auch das Körperliche, nämlich das Menschliche mit dem Geiste Christi zu verschmelzen.

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