Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 28)
- Language
- German
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83 Jetzt verstehen wir endlich aber auch, was es bedeutet, daß nur das Dasein Gottes Gegenstand des natürlichen Glaubens sei, nicht aber ein erkenntnismäßiger Begriff von Gott. „Die Schrift sagt sogar deutlich, Gott habe eine Gestalt und sie sei dem Mose, wie er Gott sprechen hörte, sichtbar geworden, jedoch habe er nur die Rückseite Gottes zu sehen bekommen. Ich zweifle daher nicht, daß hier irgend ein Gehet m n i s verborgen ist, und werde unten ausführlicher davon reden" (22)54). Indessen lüstet er selbst alsbald dieses Mysterium. Denn bei der Erwähnung von der Auszeichnung. Moses aus allen Propheten in Israel vor und nach ihm Lurch den Ausdruck: „den Gott erkannt hat von Angesicht Zu Angesicht", schränkt er zwar das Angesicht auf die Stimme ein, „denn auch Mose selbst hat das Angesicht Gottes niemals gesehen",, aber er unterscheidet hier nun von dem Angesicht und allem Körper den Geist. „Unserem Geiste teilt Gott seine Wesenheit mit" (24) 55). Hierbei heißt es: „ohne körperliche Hilfsmittel". Man sollte denken, daß dem menschlichen Geiste überhaupt Gott sich mitteile; dabei jedoch sind freilich die körperlichen Hilfsmittel nicht zu verschmähen. Was bedeutet hier ihre Ausschließung? „Wollte aber ein Mensch bloß mit dem Geiste irgendwie etwas begreifen, das in den tief st en Grundlagen unserer Erkenntnis nicht enthalten ist und nicht aus ihnen abgeleitet werden kann, so müßte sein Geist notwendig weit vorzüglicher sein und den menschlichen Geist weit überragen" (24) 56). Wir fragen hier wieder, wenn der Mensch bloß mit dem Geiste Gott zu erkennen sucht, setzt er sich dann außer Zusammenhang mit den „Grundlagen unserer Erkenntnis"? Steht die Ethik etwa außer solchem Zusammenhang? Spinoza aber fährt fort: „Ich glaube daher nicht, Laß irgend Jemand eine solche Vollkommenheit vor dem anderen erreicht hat, ausgenommen C h r i st u s , dem der Heilsplan Gottes ohne Worte und Gesichte, ganz unmittelbar offenbart worden ist, so daß 6*