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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 82

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 82 (sequence 27)
Language
German
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82 „Durch eine wirkliche Stimme hat Gott dem Mose die Gesetze offenbart" 50). Aus 2 B. M. Kap. 25, Vers 22, den er hebräisch anführt, will er beweisen, „daß Gott sich einer wirklichen Stimme bedient hat". Ebenso bei Samuel, 1. Kap. 3. Auch auf die Offenbarung am Sinai geht er ein. „Nach der Ansicht einiger Juden sind die Worte des Dekalogs nicht von Gott gesprochen worden". Da der Dekalog im 5. Buche wiederholt wird, habe er selbst dies angenommen, daß nur ein Geräusch, nicht Worte dort gehört worden seien. Dennoch bleibt es dabei: „daß die. Israeliten eine wirkliche Stimme gehört haben; denn die Schrift sagt 5. M. Kap. 5, 4 ausdrücklich: „von Angesicht zu Angesicht hat Gott mit euch geredet". Jetzt sieht man bereits, warum die Propheten die wirkliche Stimme Gottes gehört haben sollen: denn Gott hat überhaupt ein Angesicht. Daß der hebräische Ausdruck „von Angesicht zu Angesicht" eine bildliche Bedeutung haben könne, das wird von dieser Philologie der Buchstäbnchkeit nicht berücksichtigt. Dagegen hat schon I b n E s r a bei Mose davon die treffende Erklärung gegeben: „ohne einen Mittler" Wir wissen bereits,. daß Spinoza es nicht an horrender Deutlichkeit fehlen läßt; so erklärt er den angeführten Satz: „das heißt, so wie zwei Menschen sich ihre Gedanken vermittelst ihrer beiden Körper mitzuteilen pflegen" 61). Gott hat also eine Stimme und ein Angesicht, weil er ein Körper ist, und als Körper mit einem andern Körper verkehrt, wie ein Mensch mit dem andern. Dem Gesetze, das Mose offenbart wurde, darf ja nichts hinzugefügt, noch etwas von ihm hinweggenommen werden; es hat aber niemals befohlen, „daß wir glauben, Gott sei unkörperlich, noch auch, daß er weder Bild, noch Gestalt, sondern nur, daß ein Gott sei" (21)^2). (gg fcorf wohl als sophistisch bezeichnet werden, wenn er hinzufügt: „daß wir ihm nicht irgend ein Bild andichten und machen" 58): als ob der Dekalog nur das Machen auf Grund der Andichtung verböte, während es ein legitimes Bild von Gott gäbe.

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