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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 79 (sequence 24)
Language
German
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tien literarisch e n Urkunden und der Prophetie in Orakelform. Hier wird aber die Prophetie definiert als -eine „gewisse Erkenntnis, die von Gott den Menschen offenbart" sei (16) ii). Und dagegen muß man schon fragen: Ist die Prophetie, als „gewisse Erkenntnis", Wissenschaft und Philosophie, oder gibt es Gewißheit der Erkenntnis -außerhalb der Philosopie? Aus der Definition der Prophetie folgt, „daß man die natürliche Erkenntnis Prophetie nennen kann" (16)45). Hiergegen erheben sich nun Einwände von allen Seiten. Erstlich haben wir ja vorweggenommen, daß der Naturzustand noch keinen Gott hat: wie könnte er da die natürliche Erkenntnis der Prophetie haben? Es muß also die Natur hier einen anderen Sinn haben als dort beim Naturzustand. Ferner aber muß das Bedenken aufsteigen: Spinoza scheint zu spotten, wenn er die Prophetie, die doch Offenbarung ist, also -göttliche Erkenntnis, dennoch gleichsetzt mit der natürlichen Erkenntnis! Diese Schwierigkeiten kann kein Verstand der Verständigen einsehen, geschweige überwinden. In diesem Dunkel kann nur die Geschichte der Philosophie Licht machen. Descartes nämlich hat vielerlei Ausdrücke, um sein „Prinzip der Gewißheit" zu bezeichnen. Und unter diesen findet sich auch die Natur, oder im scholastischen Ausdruck das „Licht der Natur". Diese Natur stellt er andererseits.auch gleich dem Begriffe Gott. Beide sind Prinzipien der Gewißheit, ebenso wie im Co gito das I ch (m o i - m g m e). Alle diese Ausdrücke sind gleichbedeutend mit dem methodischen Ausdruck der allgemeinen Regel. Wenn also nun hier von Spinoza der natürlichen Erkenntnis die Prophetie gleichgestellt wird, so hat dies seinen Grund darin, daß die Prophetie als -gewisse Erkenntnis definiert ward. Diese Gewißheit aber kann sie nur aus dem Kriterium der Natur, der Natur in der Bedeutung als Kriterium, erlangen. Daher wird auch hier die Erkenntnis der Natur zur Erkenntnis Gottes. „Denn was wir durch das natürliche Licht er-

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