Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 23)
- Language
- German
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78 sichtigten Rückschlag gegen das Judentum, sondern nicht minder auch durch seine Staatstheorie in ihrer -Sachlichkeit gefährdet. Denn wer das Recht Gottes dem bürgerlichen Staate gleichsetzt, für den muß die Religion der Propheten Aufruhr und Revolution sein. Gelegentlich äußert er sich so auch über diese „Privatleute", die Propheten, daß sie: „die Menschen mehr aufgereizt als -gebessert haben, während diese doch von den Königen durch Ermahnungen und Bestrafungen leicht zu leiten waren. Selbst frommen Königen waren sie oft unerträglich" (327) Die Propheten haben also „mehr Schaden als Nutzen" gestiftet und „schwere Bürgerkriege heraufbeschworen". Es ist Alles konsequent: die Propheten waren Privatleute, sie konnten daher keine Religion lehren, die allein der Staat zu befehlen hat. Aber wie steht es denn um das Verhältnis dieser Privatleute zur Offenbarung? Hat denn Gott andere Boten und Vermittler, um sein göttliches Recht zu offenbaren als die Propheten? An dieser Frage entscheidet sich das Verhältnis Spinozas zum Christentum im Unterschiede und im Gegensatz vom Judentum. Indessen hat die Oekonomie des Traktates es, mit sich geführt, daß diese Differenz nicht in besonderen Kapiteln zur Verhandlung kam, sondern daß, bei Festhaltung einer Einheit der Leiden Testamente,nur bei der Charakteristik der Propheten ihr Unterschied von Christus festgestellt wurde. Mit der „Offenbarung oder Prophetie" stehen wir am ersten Kapitel dieses Buches „von der Prophetie". Die Auseinandersetzung beginnt mit einer Gleichsetzung: „Prophetie oder Offenbarung". Das zweite Kapitel handelt „von den Propheten". Dennoch heißt es schon bei der Prophetie: „Prophet aber ist derjenige". Da diese Schrift den Anfang der neueren Bibelwissenschaft bilden soll, so ist dieser Anfang noch sehr primitiv. Denn wir bürsten Wohl erwarten, daß für den Begriff der Prophetie begonnen werden müßte mit der Unterscheidung zwischen