Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 18)
- Language
- German
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73 Nachdem auf diese allen Sophisten eigene Weise der Naturzustand der Menschen eingerichtet worden, soll nun aus ihm heraus derStaät sich erheben. Nutzen, Furcht, Leidenschaften und Begierden bringen ihn hervor. Es gehört zu den „ewigen Wahrheiten": zwischen zwei Uebeln das kleinste zu wählen. Und da das Individuum im Kampfe der Individuen steht, so muß ich meine Macht sich mit der anderen vertragen lernen. „Daraus schließe -ich, daß jeder Vertrag nur in Kraft ist in Anbetracht seiner Nützlichkeit" (278)bi). Und auf diese Nützlichkeit des Vertrages gründet sich das Recht des Staates. Im Staate ist das Recht aller Individuen zusammengesaßt; jeder hat sein Naturrecht in dem Vertrage, den alle miteinander schließen, aus den Staat übertragen. Der Staat hat mithin dieselbe Zweideutigkeit, die alles Sein, al.le S übst a n z, alle Natur bei Spinoza hat. Er ist nicht eine über dem Ganzen waltende Einheit, sondern nur die Summe aller Individuen. So bildet sich hier der Begriff der Demokratie. „Sie ist demnach zu definieren als eine allgemeine Vereinigung von Menschen, die in ihrer Gesamtheit das höchste Recht zu allem hat, was sie vermag" (280) 32). Wiederum zeigt sich die Begründung dieser Regierungsform auf die Macht. Aber wie rechtfertigt sich denn die Universalität dieser Vereinigung, wenn sie doch nur „collegialiter“ waltet? Die Einzelnen und ihr Naturzustand haben sich fortgeerbt in diese angebliche Universalität der staatlichen Demokratie. Aber die Demokratie hat hier noch den Vorzug. „Ich habe diese lieber als alle anderen behandelt, weil sie, wie mir scheint, die natürlichste ist und . der Freiheit, welche die Natur jedem Einzelnen gewährt, am nächsten kommt" (282)3si). So setzt er sich hier noch weiter für die Demokratie ein. Im Tractatus politicus dagegen muß. d i e Demokratie der Aristokratie weichen. Und für seine religöse Grundanschauung ist Äer Grund wichtig, der ihn zu dieser Aenderung seiner