Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 15)
- Language
- German
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70 und allem Sittlichem Welche Schwierigkeiten daraus für das Problem der Erkenntnis entstehen, wollen wir hier nicht in Erwägung nehmen, daraus sei nur schon hingewiesen. Aber mehr noch als für den Begriff des Geistes der Erkenntnis ist der Begriff des Geistes der Sittlichkeit durch jene vermeintliche Indifferenz, von Gott und Natur gefährdet. Religion, Recht und Staat dürfen als Natur gedacht werden im stoischen Sinne der Natur, als der Ursprünglichkeit und der Ewigkeit jener problematischen historischen Tatsache. Indessen, wenn hier in Theorie und. Praxis ber Nebenbegriff der Natur dazwischentritt, und in diesen Fragen bisweilen sogar als Hauptbegriff sich? geltend macht, insofern er die geschichtliche Entwicklung von Recht und Staat aus der Natur der menschlichen Wirtschaft und des Völkerverkehrs herleitet, so tritt damit der alte sophistische Gegenbegriff der Macht als Natur auf, und die sittliche Grundkraft der Natur verschwindet gegen die naturgesetzliche im Klima, sowie in der gesamten Naturgeschichte der Menschen und der Völker. Für Spinoza hatte zudem die Geltung, welche in der neueren Zeit die Natur im Begriffe des Naturgesetzes gewonnen hatte, einen neuen Anlaß geboten zu seiner Gleichsetzung von Natur und Gott. Die Natur war nicht nur die Substanz des Seins, sondern auch die Notwendigkeit des Gesetzes. Und alle Wahrheit ließ sich dadurch im Begriffe der Natur zusammenfafsen. Die Gesetze der Natur sind die ewigen Wahrheiten und Notwendigkeiten des Seins, alles Seins; denn alles Sein ist Gott. Es darf keine Art des Seins von Gott separiert undunterschieden werden. Daher ist alles Sittliche ebenso in den ewigen Gesetzen der Natur als notwendig begründet, wie alles Natürliche. So müssen auch Recht und Staat in den Gesetzen der Natur und in der Mach t ihres- Seins enthalten sein. Der sophistische Charakter dieses Naturbegriffs bezeugt sich bei Spinoza schon dadurch, daß er „die Grundlagen