Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 12)
- Language
- German
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67 Zenntnis voraus, deren Unbestimmtheit jedoch sich nicht nerdeckt. „Wer nicht weiß, oder glaubt". Das Wissen -soll sogleich hinter den Glauben verschwinden. Aber der Glaube bleibt dabei doch eine unumgängliche Art von Wissen. — Und es bleibt nicht bei diesem Dogma von dem Mise in Gottes; das zweite lautet: „Gott ist -einzig""). Und die Einzigkeit Gottes soll nicht auf Erkenntnis beruhen? Der Kenner der jüdischen Religionshilosophie geht mit keinem Worte darauf ein, daß die Einzigkeit durchaus nur ein Problem der Erkenntnis ist; daß an ihr Erkenntnis und W a hrnehmung sich ebenso scharf und schroff unterscheiden, wie seit Parmenides und Platon das Denken der Erkenntnis von aller Wahrnehmung sich unterscheidet. Das Dogma der Einzigkeit Gottes wird hier dem Glauben, als allgemeiner Religion, übergeben und dennoch wird diese Religion von Erkenntnis und Vernunft geschieden. Hier tut sich in der historischen Kontinuität des religiösen Philosophierens ein Abgrund auf, aus dem vielleicht auch das sachliche Chaos seiner Ansichten seine traurige, aber hinlängliche Erklärung finden wird. -Verfolgen wir zunächst weiter die Konsequenzen, die Spinoza zieht. „Was übrigens Gott oder jenes Muster wahren Lebens ist, ob er Feuer, Geist, Licht, Gedanke u. s. w. ist, gehört nicht zum Glauben, so wenig wie der Grund, aus dem er das Muster wahren Lebens ist ... Es ist einerlei, was Jeder davon hält" (256)15). Ist es denn aber auch einerlei, auf welche Weise und in welcher -gedanklichen Vermittelung Gott „das Muster wahren Lebens" sein kann? Könnte er es wirklich in gleicher Weise als Feuer, wie als Geist und Gedanke? Diese Art von Philosophie der Religion wäre an sich ganz und gar nicht zu verstehen; sie wird nur erklärlich, wie wir sehen werden, aus der Verbindung dieses dogmatischen Problems mit seiner Bibelexegese. Aber auch nach der anderen Tendenz hin macht er lelbst hier die Nutzanwendung. „Denn ich habe gezeigt, daß der Glaube nicht so sehr Wahrheit als Frömmigkeit 5*