Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 10)
- Language
- German
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65 Testamente nichts anderes sindals eine Lehre vom Gehorsam? Moses wollte die Israeliten nicht durch die Vernunft überzeugen, sondern . . lauter Mittel, die mit den Wissenschaften nichts, sondern allein mit dem Gehorsam zu tun haben". Die Lehre des Evangeliums aber enthält nichts als den einfachen Glauben . ,, daß man Gott gehorchen soll". (25l)9). Wir müssen hier schon fragen: Wenn es sich für. den Begriff des Glaubens um den Gegensatz zwischen Gehorsam und Erkenntnis oder Vernunft handelt, was haben dann die W i s s e n s ch a f t en bei diesem Gegensätze zu bedeuten? Mit den Wissenschaften freilich wollte Mose den Gehorsam nicht lehren, aber daraus folgt nicht, daß er den Gehorsam nicht überhaupt auf Erkenntnis, nicht durchaus auf Vernunft begründen wollte. Bei diesem plötzlichen Auftauchen der Wissenschaften erkennt man die innere Beziehung des ganzen Problems auf die Philosophie: ihretwegen soll die Religion von der Vernunft geschieden werden, damit die Philosophie von der Religion, weil von der Kirche geschieden werden soll. Die Philosophie soll im Staate allein ihren Schutz finden. Dieses Ziels wegen muß nun auch die Religion für den Staat angepaßt werden, mithin auf das praktische Gebiet sich isolieren. Für den Spinoza der Ethik freilich bleibt dies ein vollkommener Widerspruch; denn für ihn gibt es keine besondere Praxis, weil keinen besondern Willen. „Intellectus et voluntas unam et idem sunt“. Schon die Vorrede des Traktats setzt diese sonstige praktische Konsequenz gleich mit den „einfachen Begriffen des göttlichen Geistes, wie er den Propheten offenbart wurde, was soviel bedeutet, wie: Gott von ganzer Seele gehorsam zu sein, indem man Gerechtigkeit und Liebe übt". (11)10). Aber auch schon dort unterscheidet er die offenbarte Erkenntnis von der „natürlichen", sowohl im Gegenstände, als in den „Grundlagen und Mitteln"; so bestimmt und schroff trennt er hier die Offenbarung von der Erkenntnis, deren Grundlagen und Mittel die der Vernunft sind. Und so kommt er zu der Konsequenz: „der Glaube an sich ohne Werke ist tot". Und nach ©