Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 7)
- Language
- German
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62 sorschers befangen war, was läßt sich dann von dein Philosophen, dem Ethiker erwarten bei der Bestimmung des Verhältnisses von Staat und Religion, welches nicht abgetrennt werden kann von dem Verhältnis zwischen Religion und Philosophie, mithin daher auch zwischen Staat und Philosophie? Welche Begriffsbestimmung gibt Spinoza von der Religion? Es ist die erste Konsequenz, welche sich aus dieser unnatürlichen Verbindung der Probleme ergibt:. daß Spinoza den Begriff der Religion nicht aus dem Gesichtspunkte seiner Ethik zu bestimmen sucht, sondern daß er ihn aus der Schrift herleitet, und'daher mit dem Inhalt der Schrift, den das sogenannte „Wort Gottes" bildet, schlechterdings gleichsetzt. Es bildet sich so beiihm eine Identität der Begriffe: Wort Gottes, Offenbarung, allgemeine Religion, göttliches Gesetz und Glaube. Der Glaube ist eine Art des Wissens, des subjektiven Verhaltens des menschlichen Geistes zur Wahrheit, insbesondere zur Erkenntnis Gottes, als des Urgrundes der Wahrheit. Demgemäß bedeutet im Monotheismus die Religion schlechthin den Glauben an Gott. Und da der Glaube eine Art von Wissen ist, so muß der Glaube an Gott zu seinem Inhalt haben den Begriff von Gott. Es kommt dabei weniger in Betracht, ob dieser Begriff sich in dem Wesen, der Substanz Gottes erschöpft, oder sich nur aus seine Eigenschaften, seine Attribute beschränkt; immerhin bleibt es der Begriff von Gott, der den Inhalt, den Gegenstand des Glaubens bildet. Alle Erkenntnis ist durch ihren Gegenstand bedingt; mehr als alle aber würde der Glaube leer und gehaltlos sein, wenn ihm der Begriff von Gott entzogen, wenn ihm inbezug auf Gott nicht der allgemeine Charakter der Erkenntnis zugesprochen würde. Spinoza ist es Vorbehalten gewesen, diesen Unbegriff von Religion hervorzubringen dadurch, daß er die G o tt e s e r k enn tn i s gänzlich vom Glauben ausschließt. Nach ihm lehrt die Schrift nur, „daß