Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 4)
- Language
- German
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59 Welche seine gesamte Philosophie enthält, in lieber» einstimmung befunden werden. Und jetzt enthüllt sich ein klarer und entscheidender Grund für die Zurückhaltung der Apologie, ein Grund, der sich auch in der Oekonomie des Traktates erkennen läßt. Der Traktat hat 20 Kapitel. Erst das 16. aber ist überschrieben: „über die Grundlagen des Staates". Darauf handelt das 17. Kapitel „vom Staate der Hebräer". Und das 18. enthält die Fortsetzung aus der „Geschichte der Hebräer". Die Leiden letzten Kapitel erst behandeln rein theoretisch das Recht in geistlichen Dingen und die Gedankenfreiheit./ Diese beiden letzten Kapitel bilden in allgemeiner kultureller Hinsicht den geschichtlich-politischen Wert des Traktates. Durch sie wird der Traktat zu einer Grundschrift des politisch - religiösen Liberalismus. Wir gehen nicht in die Untersuchung der Frage ein, welche Vorgänger hierin Spinoza gehabt habe. Wir wollen ihm hierin sein Verdienst ungeschmälert lassen. Nur das sei angeführt, daß H o b b e s, als er um sein Urteil über diese Schrift befragt wurde, sehr bezeichnend antwortete: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet". So sehr identifizierte er selbst sich mit diesem Nachfolger?) Aber wir werden zu prüfen haben, ob dieser Liberalismus, erstlich im Sinne von Spinozas Ethik und sodann im Geiste einer ethischen Theorie des Staates und einer ethischen Theorie der Religion das ethische Problem erschöpft, oder auch nur gefördert habe. Indessen von allen diesen Grundfragen noch abgesehen, stehen wir hier noch in der Betrachtung des Inhaltsverzeichnisses unsres Traktates. Vom 12. Kapitel ab werden die allgemeinen Fragen der natürlichen Theologie verhandelt. Bis dahin aber, also nahezu zwei Drittel des ganzen Buches handeln von der biblischen Theologie; und das 13. Kapitel, über die Quintessenz des biblischen Lehrinhalts, ist eigentlich noch hinzuzurechnen. Wir werden nun aber sehen, daß der ganze theologische Gehalt dieser Bibelkritik auf den Staat der Hebräer abzielt, nämlich