Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 32)
- Language
- German
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MWDWWWMWMW^^^^WWWZ mssm — 46 — in seiner völligen Wertlosigkeit nachweist. Insbesondere sind es die zwei jüngsten Propheten der antisemitischen Raffentheorie, Chamberlain und Sombart, mit denen Kautsky hart ins Gericht geht Zu bedauern ist nur, daß dieser gedankentiefe Vertreter des Marxismus die Bezeichnung „Judentum" gemeinsam für den jüdischen Stamm und für die jüdische Weltanschauung, d. h. für die jüdische religiöse Ethik gebraucht. Dadurch entsteht bei ihm manches schiefe Urteil über das Judentum in letzterem Sinne. Eine bessere Vertrautheit mit der Ethik des Judentums würde ihn belehrt haben, daß gerade ihr jenes Ideal von einer hohen sittlichen und auch wirtschaftlich-glücklichen Entwicklung des Menschengeschlechts vorschwebt, die Kautsky selbst und sein großer Vorgänger zu verwirklichen strebten. Das Judentum ist keine Ghettopflanze, sondern das Erlösungsideal der Menschheit. Sombarts sonderbare Behauptungen erfahren auch ihre Kritik in H. Wätjen's Schrift „Das Judentum und die Anfänge der modernen Kolonisation". Mit dem Problem des jüdischen Volksstammes besaßt sich die Monographie „Die Schädigung der Rasse durch soziales und wirtschaftliches Aufsteigen" von F. A Theil- Haber. Natürlich erscheint die Raffentheorie in Bezug auf den jüdischen Volksstamm nicht begründeter, auch wenn sie nicht vom antisemitischen, sondern vom jüdischnationalen Standpunkt vorgetragen wird. „Beiträge zur Moralstatistik" betitelt sich eine Sammlung von Aufsätzen H Rost's, in der sich ein Beitrag mit der Judenfrage in Deutschland befaßt („Das deutsche Judentum im Lichte der Zahl") — im antisemitischen Sinne. Diese Art von Bekämpfung der Juden ist sattsam bekannt. Unzählige Mal sind irrige Behauptungen gründlich widerlegt worden, aber sie kehren immer wieder. * * * Die jüdische Literaturgeschichte, im weitesten Sinne dieses Wortes, ist auch im letzten Jahre erfolgreich bearbeitet worden. Dabei kommt nicht blos dasjenige in Betracht, das sich mit der eigentlichen jüdischen Literatur