Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 25)
- Language
- German
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Weltanschauung, zum Judentum immer klarer wird. In erster Reihe ist auf das Buch „Die Lehre Spinozas" von Th. Camerer hinzuweisen, die in zweiter Auflage vorliegt. Es ist dies eine gründliche Forschung, die sich nicht als kompilatorische Leistung gibt, sondern auf einem tiefen Eingehen in die Schriften Spinozas basiert ist. Mit großer Objektivität wird hier die Lehre Spinozas in ihrer Entwicklung zu erfassen gesucht. Das Buch gehört zu den besten Erscheinungen der Spinozaliteratur, und da es in seiner ersten Auflage vergriffen und vom Büchermarkt verschwunden war, so ist der vorliegende unveränderte Neudruck freudig zu begrüßen. Daß es die unterdessen erschienene neue Literatur über Spinoza nicht berücksichtigt, tut dessen Wert keinen Abbruch. — Im Anschluß daran mögen noch folgende Veröffentlichungen Erwähnung finden: G- Bohrmann, „Spinozas Stellung zur Religion"; „Spinozas Briefwechsel", herausgegeben von C. Gebhardt und „Lebensbeschreibungen und Gespräche" herausgegeben von demselben. * Während die Geschichte unserer Zeit eine so stürmische Sprache führt, ist es vielleicht 'wohltuend, wenn man sich von den Ereignissen der Gegenwart etwas abwendet, um sich mit der Geschichte früherer Epochen zu beschäftigen. Es braucht das nicht aus selbstsüchtigen Beweggründen zu geschehen, um den betrübenden Zeitereignissen gegenüber gefühllos dazustehen, sondern um diese besser, jedenfalls unbefangener verstehen zu lernen. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist durchaus nicht von der Geschichte der Menschheit loszulösen; sie ist im gewissen Sinne ein Kompendimn der allgemeinen Geschichte. In ihr sind Erinnerungen an große Ereignisse aufbewahrt, die gewiß auch ohne sie, ohne die jüdische Geschichte, nicht in Vergessenheit geraten wären; aber sie hätten ihr Interesse für die Gegenwart verloren. Das jüdische Volk hat immerhin den Vorzug, daß sein geschichtliches Dasein nach Jahr-