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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 36

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1915-01-01
Page
Seite 36 (sequence 22)
Language
German
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36 — gestellt zu werden. Wie dieser, war auch Gersonides ein hervorragender Talmudgelehrter, dessen Entscheidungen in religiösen und talmudisch - rechtlichen Fragen von seinen Zeitgenossen vielfach angerufen wurden. Er lebte in dev ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Südfrankreich, wo er, auch in dieser Hinsicht seinem großen Vorbild Maimonides ähnlich, ärztliche Praxis ausübte. Gleichzeitig tat er sich literarisch als Philosoph, Bibelexeget, Mathematiker, Astronom und Mediziner hervor. Was ihn aber besonders auszeichnete, war der seltene Freimut, mit dem er seine kühnen philosophischen Ansichten vortrug. Im Gegensatz zu Maimonides wich er von dem konservativen arabischen Aristoteliker Avicenna ab, um sich dem radikalen Aveross anzuschließen. Und was er in gedankentiefer Behandlung der religiösen und ethischen Probleme zu sagen hatte, dies äußerte er unbekümmert um die Schlußfolgerungen, die aus seinen Lehren gezogen werden konnten. Dieser Freimut galt ihm als selbstverständlich, und er glaubte nicht einmal sich deshalb entschuldigen zu müssen. Darin übertraf er zweifellos bei weitem selbst Maimonides, und es ist ein ehrendes Zeugnis für das Judentum, daß solches im jüdischen Volke im tiefsten Mittelalter möglich war. Denn Gersonides erfuhr dabei nicht die mindeste Anfechtung; er galt im Gegenteil bei seinen Zeitgenossen als anerkannte Autorität in religiösen Fragen. Gersonides hat seine religionsphilosopischen Gedanken in seiner hebräischen Schrift „ Milchamot adonai“ (Gotteskämpfe) niedergelegt. Er gehörte zu den ersten jüdischen Religionsphilosophen, die hebräisch schrieben, im Gegensatz zu den älteren, die sich zu diesem Zwecke des Arabischen bedienten, und deren Werke nachher hebräisch übersetzt wurden. Sein Stil ist spröde und seine Vortragsweise oft etwas dunkel, was natürlich zum Teil auch auf den tiefen Inhalt des Buches zurückzuführen ist. Diese philosophische Schrift hat aus die Entwicklung des jüdischen Geisteslebens nicht denselben Einfluß ausgeübt, wie die Werke des Maimonides. Es lag dies in den Zeitumständen, was hier des Näheren nicht ausgeführt

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