Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
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22 zu Gesicht gekommen. Dasselbe gilt auch von der wissenschaftlichen Literatur Frankreichs, und eigentlich erfährt man auch von den Leistungen holländischer Forscher, die gerade für die Bibelkunde von ungemein großer Bedeutung sind, zumeist auf dem Umwege über England. In Deutschland ruht natürlich nicht minder jede wissenschaftliche Tätigkeit seit dem Ausbruche des Krieges; jedenfalls ist in diesem Zeitraum kaum etwas Beachtenswertes auf dem Gebiete der Bibelwissenschaft erschienen. Von Schriften, die sich im allgemeinen mit der kritischen Behandlung des biblischen Schrifttums befassen, möchte ich zuvörderst die des bekannten konservativen Gelehrten E. König: „Die moderne Pentateuchkritik und ihre neueste Bekämpfung" erwähnen. Im Mittelpunkt der biblischen Quellenforschung steht bekanntlich die Pentateuchkritik. Aus den kleinen Anfängen, die Spinoza in seinem Theologisch-politischen Traktat in kurzen aber scharf gezeichneten Umrissen gegeben hat, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die moderne Pentateuchkritik, die in den bekannten Untersuchungen Wellhausens und seiner Schule ihren Höhepunkt erreicht hat. Nun läßt sich nicht in wenigen Sätzen Umfang und Bedeutung dieser Arbeiten kritisch bewerten. Aber jedem unbefangenen Beurteiler drängt sich die Wahrnehmung auf, daß hier seit Jahrzehnten Hypothesen auf Hypothesen gehäuft wurden und vieles unhaltbar ist; aus lauter Kritik ist vieles unkritisch gehalten. Man braucht nur irgend eine von den letzten „Einleitungen" zur Bibel oder zum Pentateuch in die Hand zu nehmen, um zu sehen, welche Verwirrung da jetzt herrscht. Das ganze biblische Schrifttum, insbesondere aber der geschichtliche Teil und vor allein der Pentateuch, ist geradezu in Atome aufgelöst. Man unterscheidet primäre, sekundäre, tertiäre u. s. w. Quellen, wozu noch eine verquickte Kombination von verschiedenen Quellen kommt. Es ist sehr zu bezweifeln, ob sich da jemand noch zurechtfindet. Oft möchte man annehmen, daß der biblische Text in seinem geschichtlichen Teil nur so entstanden sei, daß der letzte „Redaktor" (für manche moderne Bibelkritiker zumeist ein „törichter