Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Kulturwelt hinein gebrochen ist, nicht rauben lassen. Die Erforschung des Judentums wurde durch den Krieg gehemmt und unterbrochen. Ich muß gestehen, daß mir Monate hindurch die Bücher entfremdet waren und alles, was mir Jahrzehnte hindurch als das Teuerste und- Wertvollste gegolten hat. verwüstet und vernichtet vorkam. Aber ich greife doch zu den Schriften zurück, die sich mit dem Judentum in allen seinen nianigfaltigen Einzelheiten befassen. Die Wissenschaft des Judentums,, von der Zunz einst gesagt hat, daß sie uralt ist und ewig neu bleibt, die er als unvergänglich bezeichnet^. selbft wenn vieles andere untergehen sollte, erscheint mir jetzt wie die Arche Noahs. Man flüchtet sich in sie, nicht um sich selbstsüchtig dem allgemeinen Jammer zu entziehen, sondern um den Glauben an die Zukunft der Menschheit von dem ihm drohenden Untergang zu schützen. Auchin diesem Jahre soll hier der Rückblick über die literarischen Erscheinungen, soweit sie das Judentum und seine- Wissenschaft betreffen, in den folgenden Blättern gegeben werden. * * * Die Bibelfors chung hat auch im letzten Berichtsjahr große Fortschritte gemacht; sie hat nicht nur an Umfang, sondern.auch an Jntensivität gewonnen. Daswill besagen, daß man sich seit Jahren mit dem Buch . der Bücher nicht nur beschäftigt, sondern daß man sichvielmehr in dessen reichen Inhalt zu vertiefen und dessen Verständnis zu fördern sucht. Wieviel auch auf diesem Gebiete bereits getan sein mag, von einer Erschöpfung, des Stoffes ist man noch sehr weit entfernt. Bemerkenswert ist dabei, daß nicht nur der Inhalt des biblischen Schrifttums immer klarer und lichtvoller erscheint, sondern yuch dessen Sprache und Ausdrucksweise. Es läßt sich begreifen, daß wir dieses einzigartige Schrifttum im Lichte der ergänzenden und kritischen Forschung richtiger verstehen lernen; aber man sollte meinen, daß es sprachlich und stilistisch bereits zur Genüge erhellt wäre, da ja aus diesem Gebiete seit Jahrtausenden in erster Reihe von!