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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 19

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1915-01-01
Page
Seite 19 (sequence 5)
Language
German
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19 braucht nicht erst gesagt zu werden. Daraus aber auf den Wert oder Unwert der neutestamentlichen Ethik -schließen zu wollen, wäre gewiß unrecht. Auch das Ideal des ewigen Friedens, das den Propheten Israels mit Doller Gewißheit für die „späten Tage" vorgeschwebt hat, ist noch sehr weit von seiner Verwirklichung. Trotzdem -soll man nicht an der Zukunft der Menschheit verzweifeln und nicht alle Hoffnungen auf eine glücklichere Zeit der Völkerverbrüderung als zu Grabe getragen betrachten. Als unsere Propheten zuerst den allgemeinen Weltfrieden in der Menschheit und in der Natur verkündeten, waren sie selbst von einem heftigen, grauenvollen Krieg umtobt, der das jüdische Volk zu vernichten drohte. Aus dem finsteren Gewölk, das sie umgab, sahen sie in eine ferne Zukunft, in der sie das ewige Volk Israel und seine erhabene göttliche Lehre fortbestehen fanden. Ihr Blick hat sie nicht getäuscht, und auch das, was sie der gesainten Menschheit verkündet haben, die hohe messianische Idee Des prophetischen Judentums, wird in diesem schrecklichen Kriege nicht untergehen. Gewiß, das Ideal des Weltbürgertums und der schrankenlosen Menschenliebe hat jetzt eine Schlacht verloren, aber es wird aus den Wirren der Zeit gestärkt hervorgehen und dereinst alle Kulturvölker, die sich jetzt gegenseitig zerfieischen, wieder in den Bestrebungen der Gesittung und des Friedens vereinigen. Ein hervorragender jüdischer Forscher, Abraham Krochmal (ein Sohn des bekannten Religionsphilosophen Nachman Krochmal), äußert sich in einer Polemik gegen den Versuch des Maimonides, das Judentum dogmatisch festzulegen: Es gibt keine Dogmatik des Judentums, keine Glaubenspflicht, welche die Thora lehrt; aber es gibt einen Glauben, den sie atmet — den an die Zukunft der Menschheit und ihre sittliche Vervollkommnung. Diesen Glauben, der den Lehrinhalt des prophetischen Judentums bildet, den unsere Propheten in voller Gewißheit und Zuversichtlichkeit mitten unter den schwersten Drangsalen ihrem Volke und der ganzen Menschheit verkündet haben, diesen Glauben -vollen wir uns jetzt durch die. Sintflut, die über die 2* i

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