Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5674
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 und Verpflegung, überdies je einen Wagen mit zwei Pferden und einem Trainfahrer fowie eine einheitliche Kleidung, die derjenigen der christlichen Feldgeistlichen, ähnlich ist. Die Geistlichen haben auch an den hohen Festtagen ihres Amtes gewaltet. Für den Versöhnungstag erhielten die jüdischen Soldaten von fünf Uhr am Vorabend bis sieben Uhr abends am eigentlichen Festtag. Urlaub. Bei der ersten Armee ist die Feier sogar in einer französischen Dorfkirche abgehalten worden. Zum ersten Male hat die preußische Verwaltung die jüdische Religionsübung der christlichen gleichgestellt — was bisher trotz aller Bemühungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der Deutschen Juden immer abgelehnt worden war. So übt dieser Krieg seine befreiende und erhebende Wirkung. Möge sie auch für die Zukunft fortdauern zur Ehre des geliebten deutschen Vaterlandes! Die bayerische Regierung ist noch fürsorglicher gewesen; sie hat sogar für jedes ihrer drei Armeekorpseinen „Feldrabbiner" — das ist der amtliche Titel — eingesetzt. Aber auch dort, wo die Geistlichen nicht hinkommen konnten, haben jüdische Krieger ihren religiösen Bedürfnissen genügt. Ein solcher Vorgang, den ein Frankfurter Landwehrmann berichtet, ist derart bezeichnend und er-- greifend, daß er wohl der öffentlichen Kenntnis mitgeteilt zu werden verdient. Er spielte sich in den Vogesen ab: „Für uns Krieger war nach den großen Aufregungen der letzten Wochen eine Stunde der Erbauung geradezu zum Bedürfnis geworden. Bereitwilligst gestattete uns unser Kompagnieführer, am Neujahrsfeste einen Gottesdienst abzuhalten. Eine größere Anzahl jüdischer Landwehrmänner fanden sich in einem Zimmer zu einer kurzen, erhebenden Andacht zusammen. Ein Frankfurter Lehrer hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages unter ganz besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse hinwies. Seine mit Begeisterung vorgetragenen Worte machten tiefen Eindruck. Am nächsten Tage führte uns unser Weg nach der Höhe von