Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5674
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 beträchtlich. Und so steht zu hoffen, daß bald auch der amtliche Rang mit den. geleisteten Diensten in Einklang: versetzt und mit jener schmachvollen Ausschließung gebrochen werden wird. Dafür bürgt ja die feierliche Verkündung unseres Kaisers, daß er keine Unterschiede der Klassen, Stände, Parteien und Konfessionen mehr,, sondern nur noch Deutsche kenne. Ein schönes und edles Wort, an dem sicher nicht gekünstelt und gedeutelt werden wird. Dafür bürgt auch die erfreuliche Tatsache, daß das Oberkommando in den Marken die „Staatsbürgerzeitung", das Hauptorgan der Antisemiten, gezwungen hat, auf ihren Charakter als antisemitisches Blatt zu. verzichten, und zwar nicht nur für die Kriegssondern auch für die Friedenszeit. Dieses Gebot erfolgte ausdrücklich mitHinblick auf die patriotische Haltung der gesamten Bevölkerung. Diese Feststellung von einer Seite, der man sonst Vorliebe für die Juden wahrlich nicht nachsagen kann, ist gewiß ein erfreulicher und hoffnungsvoller Vorgang. Mit so freundlicher Richtung den Juden und dem Judentums gegenüber stimmt es auch, daß in diesem Kriege Deutschland zum ersten Male für jüdische Feldgeistliche amtlich gesorgt hat. Freilich haben. in den Kämpfen von 1870 auf 1871 auch schon einige Rabbiner gewirkt; aber ganz freiwillig und ohne daß man sichvon Seiten der Heeresleitung sonderlich um sie gekümmert hat. Mit Ausnahme des Heeres vor Metzkonnten sie deshalb nur gelegentlich in Lazaretten Verwendung finden und gaben die Sache bald wieder auf. Der Verfasser dieses „Rückblickes" hat während der ganzen Belagerung von Paris, die die Zeit unserer hohen Festtage umfaßte, nichts von einem jüdischen Feldgeistlichen oder Gottesdienste gesehen und gehört. Ganz, anders dieses Mal. Das preußische Kriegsministerium hat sechs Rabbiner, mit Zustimmung von deren Gemeinden, amtlich ins Feld gesandt und ihnen, durch Verteilung auf die einzelnen im Felde stehenden Armeen, eine ersprießliche und dauernde Wirksamkeit gesichert. Die Herren erhalten freie Eisenbahnbeförderung, freie Quartiere