Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5674
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 militärischen Sanitätsdienst seit Jahrzehnten Juden nicht ausgenommen wurden, obwohl dadurch in diesem Dienst- Zweige bedenkliche Lücken entstanden, so ist die Bereitwilligkeit, mit der die jüdischen Aerzte nach ausgebrochenem Kampfe edelmütig und selbstlos dieses ihnen angetane schreiende Unrecht für das Vaterland unschädlich gemacht haben, recht hoch zu bewerten. Viele der jüdischen Aerzte sind schon auf dem Schlachtfelde oder durch tückische Angriffe der Zivilbevölkerung verwundet oder gefallen; viele haben sich das Eiserne Kreuz verdient. Erschreckend groß ist, nach den noch so unvollständigen amtlichen Verlustlisten und den Anzeigen der Zeitungen, die Zahl der verwundeten und getöteten jüdischen Krieger. Sie haben die alte ungestüme, todverachtende Tapferkeit ihrer Vorfahren seit grauen Zeiten von neuem bewiesen. Und wie in Deutschland, so entwickeln in Oesterreich unsere Glaubensgenossen die rühmlichste Kühnheit. Ein jüdischer Landwehrmann vom 31. Regiment, Julius Reif aus Teschen, ist infolge seiner amtlich und außeramtlich hoch gepriesenen Leistungen auf dem Schlachtfelds bei Lublin binnen weniger Tage vom gewöhnlichen Infanteristen bis zum Feldwebel aufgestiegen. Wer nun weiß, wie schwer es in dem heutigen Massen- und Maschinenkriege dem gemeinen Soldaten fällt, sich persönlich auszuzeichnen, wird die Taten dieses einfachen Juden richtig einzuschätzen wissen. Leider ist der Wackere, den der Kaiser noch persönlich mit einer Geldspende geehrt hatte, am 12. September auf dem Felde der Ehre gefallen. Die Zahl der Eisernen Kreuze, die israelitischen Kämpfern verliehen wurden, ist bereits sehr groß. Da begreiflicherweise solche Auszeichnungen besonders an Offiziere verliehen werden, die es leider — mit Ausnahme des bayrischen Heeres — unter den deutschen Juden bis vor kurzem noch nicht gab, so ist die Menge von Kreuzen, die Juden trotzdem erhalten haben, um so bezeichnender und rühmlicher. Die Anzahl der jüdischen Vigefeldwebel und Vizewachtmeister, die Offizierdienste tun, ist freilich sehr