Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5674
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 furchtbaren Gefahren des Schlachtfeldes entgegen gingen. In manchen Synagogen mußte der Gottesdienst zweimal abgehalten werden, um dem Zudrange aller derer zu genügen, die ihr banges und doch vertrauensvolles Herz vor dem Höchsten ausschütten wollten. Wahrlich, mit tiefem Ernst und inniger Hingabe in Gottes Walten und Willen gingen die deutschen und österreichischen Israeliten in die Kriegszeit hinein. Die jüdischen Gemeinden und Vereine jeder Art spendeten reiche Beiträge für die Pflege verwundeter und kranker Krieger, für die Unterstützung ihrer mittellosen Angehörigen, für soziale Hilfe jeder Art, ohne Unterschied des Glaubens. Man wird staunen, wenn dereinst eine Zusammenstellung dieser Summen, die nicht von den gleichfalls verschwenderisch schenkenden Einzelnen, sondern von den jüdischen Gemeinschaften herrühren, veröffentlicht werden wird, und einsehen, daß, wie bei den Opfern an Blut, so auch bei denen an Gut die Israeliten sich in ganz hervorragendem Maße beteiligt haben. Ferner haben sie ihre Gemeinde-, Kranken- und Vereinshäuser zum großen Teile für Militärlazarette den Behörden zur Verfügung gestellt. Kurz, es gibt keine freiwillige Leistung für den Krieg, die nicht die Juden in weitestem Umfange auf sich genommen haben. Gilt es doch die Größe, ja die Existenz des Vaterlandes, an dem sie mit ihrem ganzen Herzen hängen. Auch die trefflichen, mit Recht in ihren Leistungen hochgeschätzten jüdischen Krankenschwestern haben sich für den Krieg zur Verfügung gestellt Aus Stuttgart gingen zehn in die Front ab, aus Berlin sind vierzig in den Lazaretten beschäftigt. Wahrscheinlich auch aus anderen Orten. Sie wurden bereitwillig in Dienst genommen, eine Tatsache, die die Anschuldigung antisemitischer Neigungen bei dem „Roten Kreuz" — von einzelnen beklagenswerten Ausnahmen abgesehen — hinreichend widerlegt. Daß die jüdischen Aerzte, soweit sie nicht ohnehin einberufen wurden, sich in Masse als freiwillige „Kriegsärzte" anboten und in der Tat verwendet worden sind, versteht sich von selbst. Wenn man bedenkt, daß in dem aktiven