Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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252 schlimmer als Tausende von Scheidim, sie treibt ihn mit Macht hinaus, hinaus denselben Weg, den er schon am Tage gegangen ist, an der Hütte der roten Riwke vorüber, wo eine Tür sortwährend in den Angeln knirscht. Da fährt er in die Höhe, ein schleppender Gang ist ihm ans Ohr gedrungen. Es ist der unglückliche Chaskel, der in der Dunkelheit verschwindet. Jetzt steht er vor dem Friedhofstor; da gewahrt er, daß die Pforte verschlossen ist. Was schadet's! Wen die Angst treibt, der schreckt vor einem solchen Hindernis nicht zurück. Schon hat er den Zaun überstiegen und geht den breiten Weg zum Friedhofe hinaus, nach der Stelle hin, wo sich die neuen Gräber befinden .müssen. Es dauert geraume Zeit, bis er sich zurechtgefunden hat. Da flattert ein Nachtvogel auf; er achtet dessen nicht. Jetzt steht der Mann vor dem frisch aufgeworfenen Hügel, und plötzlich klingt das Kaddischgebet, das ihm am Tage zuvor nicht hatte über die Lippen kommen wollen, halblaut, klar und deutlich über der Mutter Grab hin. Das „Amen" und das „Gelobt sei Gottes Name von nun an bis in Ewigkeit," das am Tage die Gemeinde gesprochen hatte, sagte er allein. Die Gemeinde, die jetzt hier versammelt war, gab keine Antwort. Desselben Weges ging er heim. Leise schlich er sich durch die Hintertür in die Wohnung. Das Lämpchen, das zum Andenken der Verstorbenen brannte, flackerte leicht und leise knisternd auf. Der Vater schlief auf seinem Lager, er hatte weder den Weggang noch das Kommen des Sohnes bemerkt. Ruhiger suchte der Mann sein Lager auf. Was er eben getan, das mußte er tun, hatte er heut noch tun müssen, er hätte sein Lebtag nicht wieder Ruhe gefunden. heimlich«'. Salomon Süßklang rüstete sich zur Abreise. Er konnte wegen des Schicksals seines Vaters außer Sorge sein. An der Einmütigkeit der Gemeinde, die Kündigung zurückzunehmen, konnte nicht mehr gezweifelt werden,