Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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250 — „Erhabener Friede und glückliches Leben komme vom Himmel herab über uns und ganz Israel! — Darauf sprechet:" „Amen! Gelobt fei der Name Gottes von nun an bis in Ewigkeit," sagte die Gemeinde. „Der da Frieden stiftet in seinen Höhen, er in seiner Barmherzigkeit lasse Frieden walten über uns und über ganz Israel, darauf sprechet:" „Amen!" klang es inbrünstig und feierlich aus dem Munde der ganzen Gemeinde. Dann sprach der Kultusbeamte das Gebet für die Seele der Verstorbenen in jener trost- und hoffnungspendenden Melodie: „Möge es Dein Wille sein. Ewiger, Gott aller Seelen, die Seele der Dahingeschiedenen in Liebe und Güte auszunehmen! Sende ihr Deine gütigen Engel entgegen und laß ihre Seele in Edens Gefilde einkehren! Laß an ihr in Erfüllung gehen das Schriftwort: Die auf den Herrn harren, legen an neue Kraft, treiben Schwingen gleich den Adlern; sie gehen und ermüden nicht, sie eilen und ermatten nicht. — Wende, ihr die Fülle Deiner Gnade zu, daß ihre Seele vor Deinem Angesichte erscheinen darf und der Seligkeit teilhaftig werde, die Du den Frommen bereitet hast. Möge ihre Seele ausgenommen werden in den Bund der Unsterblichkeit mit all den Staubgeborenen, die hier ruhen, mit allen frommen Männern und Frauen in Edens Gefilde." Und die ganze Gemeinde sagte: „Amen!" Als Vater und Sohn ins Haus zurückkehrten, fanden sie den Kaffeetisch gedeckt. Frau Goldmark und Frau Silberreich hatten alles hergerichtet, und auf dem Spindchen brannte das Jahrzeitslichtchen. Der alte Süßklang trank eine Taffe Kaffee und aß auch etwas, und es war mehr als in den vergangenen Tagen. Er sprach zu den Leiden Frauen,die mit liebevollem Takt um die Trauernden waren, von seiner Frau, nicht als ob sie tot wäre, wie von einer Lebenden sprach er, als ob sie nicht weit sei und bald wiederkehren werde. Und in der Tat war die