Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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248 keimende Saat. Ganz nahe vor dem Friedhofe erwartete vor ihrer verfallenen Hütte die rote Riwke*) mit dem blödsinnigen Chaskel den Zug, um sich ihm anzuschließen. Salomon Süßklang schreckte auf; das waren sie, die der Vater immerfort in seinen Träumen genannt hatte. Jetzt bemerkte auch der Vater die beiden und fuhr sichtlich zusammen. Der Zug ist auf dem Friedhofe angelangt. Der schmucklose Weiße Sarg wird auf eine Bahre gestellt, und der Kultusbeamte spricht laut das vorgeschriebene Gebet, und alle andern beten leise mit. „Was der Schöpfer tut, ist wohlgetan, und wer wollte ihn fragen: Warum hast Du uns das getan? — Er herrscht hier unten und dort oben, er tötet und belebt, er führt in die Gruft und wieder herauf. Erbarme Dich unser aller um dessentwillen, der sich wie ein Lamm zum Opfer binden ließ, erhöre uns und sei uns gnädig! — O schone und erbarme Dich der Eltern und der Kinder, denn Dein, o Herr, ist das Verzeihen, das Erbarmen! Ob der Mensch ein Jahr lebt, oder ob er tausend Jahre auf Erden weilt, was bleibt ihm für Gewinn hienieden? Es ist, als wäre er nicht gewesen. Die Seelen aller Lebenden sind in Deiner Hand, und was Du uns schickest, ist gerecht. O schone des Restes Deiner Herde, o sprich zum Todesengel: Ziehe Deine Hand zurück! Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gelobt!" Dann umringte die ganze Gemeinde die Lade und sprach die übrigen Gebete mit dem viermal wiederkehrenden Verse: „O Friedensengel, konnrü ihr entgegen, Geleite sie dem Bund der Sel'gen zu!" Salomon Süßklang hatte ins Buch des Vaters geblickt und mitgebetet, ohne seine Lippen zu bewegen. Jetzt heben Gemeindemitglieder die Lade von der Bahre und ließen sie in die Gruft hinunter. Vater und Sohn ') Rebekka.