Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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247 des Nützlichkeitsprinzips, das die Dinge dieser Welt mißt und wägt und nur das gelten läßt, was sich in Gold und ähnliches umsetzen läßt; der Doktor Werbel wußte, daß es Dinge gibt, die von diesem Gesichtspunkte aus keinen Wert haben und doch das Glück eines Menschen bedingen können. Doktor Werbel war gut dran; der war Junggeselle, dem konnten die Kinder einmal keine Vorwürfe machen. Würden ihm seine Kinder, seine Enkelkinder nicht einmal den gleichen Vorwurf machen, daß er sie in den großen Topf hineinbesördert hätte? Und wieder kamen ihm die Worte der Mutter in Erinnerung, der Hinweis auf Gan Eidersi), und ihn überkam die Sehnsucht nach ihr, an der er mit so großer Liebe gehangen, wie sie ein Mensch nur zur Mutter fühlen kann, und dann überfiel ihn Angst, eine so schreckliche Angst, daß er es nicht mehr im Bette auszuhalten vermochte. Er kleidete sich schnell und geräuschlos an und ging hinaus in die stürmische Nacht. „Gan Eiden, Gan Eiden", stöhnte er, „Mutter, Mutter, hier und dort geschieden!" Sie Beerdigung. und wann Salomon Süßklang KaddUd)-j sagte. Am Nachmittage bewegte sich der Trauerzug dem Friedhofe zu, der draußen vor dem Orte auf einem von alten Kiefern bestandenen Hügel lag. Wer nur irgendwie abkommen konnte in der Gemeinde, gab der Toten das Geleit. Alte Leute, die man nur noch an den Feiertagen in der Synagoge, sonst aber das ganze Jahr nicht sah, folgten an Krücken und Stöcken, so wollte es der fromme Brauch. Ein Kultusbeamter aus der Nachbargemeinde ging mit den beiden Süßklangs hinter dem Sarge her, er sollte am Grabe die Gebete verrichten. Jetzt kam man an den letzten Häusern vorbei, und in einiger Entfernung sah man den Friedhof daliegen; zwischen den dunkeln Bäumen schimmerten die weißen Steine hervor, ringsherum Ackerhie und da frisch aufy Paradies. 2) Gebet für die Leidtragenden.