Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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242 „Se sehen schon, daß wir Beamten auch nich sind Flederwische, wo man drauf rumtrampelt. De Repräsentantenschmul'n hat gesagt, se kriegt ihren Mann auch noch so weit, und wenn se'n den ganzen Winter mit e Paar zerriss'ne Strümp' rumlaufen lassen soll." Joseph Krotoschin war in der kritischen Zeit Süßklang aus dem Wege gegangen. Jetzt suchte er ihn aus, gerade, als Lamdam auch zugegen war. „Spaß! Hat mir mein Abram e Briesche geschrieben! So'e Gemeinheit, hat er geschrieben, me soll e Mann wie Ihnen so behandeln!" Und dabei schüttelte er den Kopf über die Schlechtigkeit der Welt. Die Unterhaltung stockte. Lamdam war mit seinem Latein zu Ende; Herr Krotoschin auch. Herr Krotoschin rückte unruhig auf seinem Stuhle. Was hatte er noch alles von seinem Abram auf dem Herzen, und der Kantor hatte sonst immer mit so großem Interesse zugehört; heute aber fragte er gar nicht einmal. Endlich nahm Herr Lamdam wieder das Wort; was mit seinem'Aemtchen zusanunenhing, das war seine Welt. „Nu, in vier Wochen gibt's bei Lessers auch Barmizwe."fl Das war das Stichwort für Herrn Krotoschin. „Mein Abramleben, er soll leben und gesund sein, wird in fünf Jahre und zwei Monate auch e Barmizwe haben bei sein' Aeltesten." So, nun war er drin, nun hatte Herr Krotoschin wieder seine Stimmung; jetzt kamen seine Enkel heran — der Reihe nach — und ihre Talente und seine Schwiegertochter und deren angesehene Familie. Wie der Schwimmer nur das Plätschern der von ihm erzeugten Wellen hört, nur den Umkreis der kleinen Wasserfläche in seiner nächsten Nähe übersieht, so hatte dieser Mann nur Auge und Ohr für seine Familie. ■ Seine Worte beim Abschiede waren: „Ach ja, ich hätt' beinah vergessen, mein Abramleben hat geschrieben: Es is e Gemeinheit, un me muß sich i) Konfirmation.