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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 241

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 241 (sequence 56)
Language
German
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241 Was sollte Herr Silberreich tun? Der Sabbat war verstört, und sein Mannesmut begann zu sinken; nachdenklich schaute er zum Hoffenster hinaus auf seinen schönen Gänsestall und trommelte nervös auf die beschlagenen Fensterscheiben. Der Stimmungsumschlag der Gemeinde zeigte sich auch deutlich im Trauerhause. Es war selbstverständlich, daß die Frauen der Gemeinde für die Verpflegung einer trauernden Familie während der Schiwo x) sorgten; das geschah auch sonst, wenn nicht nahe Verwandte am Orte diese Obliegenheit übernahmen. Aber in so großer Fülle, mit solcher Bevorzugung der besten Gerichte hatte man sonst nicht ein Trauerhaus versorgt. Es war gut gemeint, sehr gut gemeint von den Leuten; aber sie schossen über das Ziel hinaus, wie so oft, im guten wie im bösen. Feinfühlige Leute wie Süßklangs empfanden diese Liebe als drückend; es las sich da ungesucht und unausgesprochen mancherlei heraus: Daß es für den armen Beamten war, der es sonst nicht so gut hatte; mochte der sich auch einmal delektieren, mit dem Magen wenigstens, wenn das Herz mit Trauer erfüllt war, und — man hatte an ihm ja auch mancherlei gut zu machen. Gewiß würde Süßklang in der Verpflegung während der Schiwo nichts gefunden haben, das war ja allgemeiner Brauch, aber diese Überfülle, diese Versorgung mit dem besten, was das Städtchen bot, war in seinem Mißverhältnis geeignet, ihm das Traurige seiner Lage nur um so deutlicher fühlbar zu machen. Wenn so der weibliche Teil der Gemeinde dem alten Süßklang in seiner Art Liebe erwies, suchten ihn die Männer durch zahlreichen Besuch von seinem Schmerze abzulenken. Der Schammes Lamdam wollte bei den Freundlichkeiten auch nicht zurückstehen und überbrachte Nachrichten von der günstiger werdenden Stimmung. *) die 7tägige Trauerzeit. 16

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