Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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239 von unfern wohlüberlegten Maßnahmen abbringen lassen!" — „Weiberwirtschaft, das möchte gerade noch fehlen," brummte er ein paarmal verächtlich durch die Zähne. Aber er fand es doch ein bißchen öde bei Wolffsohns ohne den Zauber holder Weiblichkeit. Dann begann der Skat, und Herr Goldmark hatte heute Glück: Piksolo mit dreien, Grand mit zweien und Nullouvert — und das alles in 5 Spielen, ihm schwoll das Herz; das mußte begossen werden! Er läßt suchend den Blick durch das Zimmer schweifen, und der -aufmerksame Wirt fragt: „Was suchen Sie, Goldmark?" „Haben Sie nicht einen Schnaps da, Wolffsohn?" Herr Wolffsohn klingelte. Das Mädchen erscheint und erhält die Weisung, wie gewöhnlich Likör und Kakes aufzustellen. Das Mädchen macht ein verlegenes Gesicht und gesteht auf Drängen des Herrn Wolffsohn ein, daß seine Frau den Schlüssel zum Büfett mitgenommen habe. Herr Schöntan, der dritte Mann, einer der Süllen in der Gemeinde und beim Skat, lächelt still in sich hinein. Er ist mit im Komplott und hat seine zwei Schnäpse schon zu Hause getrunken. Der Hausherr sagt ärgerlich zum Mädchen, dann solle sie wenigstens eine Schale Aepfel bringen. Das Mädchen geht dienstwillig, kommt aber nach wenigen Minuten wieder und berichtet, der Kellerschlüssel sei nirgends zu finden, Frau Wolffsohn müsse ihn auch mitgenommen haben. Herr Schöntan lächelt nicht mehr. Bon Aepfeln war nicht die Rede gewesen, Frauen sind doch unzuverlässig! Herr Goldmark will sich den Aerger nicht merken lassen; doch die Partner erkennen, daß seine Gedanken abgelenkt sind, und es gelingt ihnen bald, das Skatglück zu sich herüberzuziehen. Früher als sonst geht Herr Goldmark und in verdrießlicher Sümmung heim.