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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 238

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 238 (sequence 53)
Language
German
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238 breit einen so ergreifenden Kolnidreix) sagen? — Wem wären bei seinem N'ßanne Tankest) nicht die Tränen ins Auge getreten?-Und die Frau! — Die arme Frau, die ihr Lebtag mit den paar Groschen hatte auskommen müssen und dabei so bekowed?) ach immer so bekowed gewesen war! — Der hatte man jetzt im Alter so was angetan! — Wie hatte sie das kränken müssen! — Ob es nicht die Ursache ihres raschen Todes gewesen war? Man rechnete nach, wann sie krank geworden war. Richtig, in jener Zeit, als die Gemeinde die Kündigung beschlossen hatte. So hatte sie sich also über die Kündigung gegrämt, und die Gemeinde hatte den Tod der Frau Süßklang auf dem Gewissen! — Aber die Frauen blieben diesmal nicht, wie sonst meistens, bei dem Nebbich stehen; sie agitierten dafür, daß man wieder gut mache, was man verschuldet hatte, wenigstens an dem alten Süßklang, bei der Frau war es ja leider zu spät. Man stärkte das Rückgrat den Zaghaften, Leisen, Zurückhaltenden, die schon damals für Süßklang eingetreten waren; man gab sich Mühe, sie zu lauterem, energischem, mutvollem Auftreten zu bewegen; man machte ihnen Vorwürfe, daß ihre Stimme gar zu leise klinge und darum ungehört verhalle. Ja hie und da wurden die Frauen aggressiv. Als Herr Goldmark wie gewöhnlich zum Abendskat zu Wolffsohns kam und nach der Frau des Hauses fragte, mußte er hören, daß Frau Wolffsohn absichtlich weggegangen sei und so lange an den Skatabenden ausgehen würde, bis das Unrecht an dem alten Süßklang wieder gesühnt sei. Dem ersten Vorsteher schwoll die Zornesader auf der Stirn. Er wollte doch einmal sehen! — Seine Frau hätte ihm auch schon so viel vorerzählt, das scheine ja die reine Verschwörung zu sein. „Aber so weit sind wir noch nicht, Wolffsohn, daß wir uns durch die Frauen l) Gebet. 2) anständig.

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