Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116303--4816-3116555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 223 Geständnis merklich kühler wurde. Er wolle noch einmal mit den anderen Herren sprechen, inan würde ihm aber gewiß entgegenhalten, daß Süßklang besser getan hätte, das Stück Geld, das die weite Reise koste, seinen Eltern zu geben. Nach dieser Lektion ging Süßklang schleunigst nach Hause. «ranlihett und COd. Die Tage wurden merklich kürzer, und das regnerische und stürmische Wetter, das sich einstellte, war auch nicht geeignet, die trübselige Stimmung im Süßklangschen Hause zu heben. Salomons Abreise war festgesetzt, und weder Vater noch Mutter versuchten, den Sohn zu längerem Aufenthalte zu bewegen. Frau Süßklang war immer verschlossener und schweigsamer geworden. Ihr Gesicht wurde faltiger, immer weiter trug sie ihren Kops vornüber; es schien den andern, als ob sie von Tag zu Tag kleiner würde. Am Tage vor der Abreise des Sohnes konnte sie sich kaum vom Lager erheben und gab sich vergeblich Mühe, ihre Schwäche zu verbergen. Nachmittags mußte sie das Bett aussuchen. Die besorgten Fragen ihrer Angehörigen, was ihr fehle, ob sie irgendwo Schmerzen habe, beantwortete sie nur mit einem Kopfschütteln. Sie verhielt sich auch ablehnend, als rsikn ihr dieses und jenes zur Stärkung anbot. Vater und Sohn sahen sich öfters besorgt an und kamen schließlich überein, den Arzt zu Rate zu ziehen. Nach kurzer Zeit stand der Doktor Werbel am Bette der Frau Süßklang, untersuchte ihr Herz und fühlte mit der Uhr in der Hand ihren Puls. Er gab der Patientin Verhaltungsmaßregeln und beobachtete sie dabei scharf; doch Frau Süßklang lag teilnahmlos in den Kiffen und schien gar nicht zuzuhören. Die beiden Männer begleiteten den Arzt in die Vorderstube, und Herr Süßklang suchte Feder und Papier für das Rezept. Als der Arzt die zusammengeschnürten Koffer sah, erkundigte er sich, wann Salomon abzureisen denke. Als er hörte, daß die Abreise auf den nächsten