Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 222 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111100-3116303--4815-3116554
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

222 mal, hier stehen die Ausgaben für die Wirtschaft und hier die Posten für Fleisch allein. Da für August 90 Mark — das ist der geringste Posten, bei der Hitze essen wir nicht so viel Fleisch —, im September sind es schon 105 Mark, und im Oktober gar — Du weißt ja, Feiertage - 112 Mark — und das ist erst für Fleisch allein; Du glaubst gar nicht, wie teuer alles ist." Herr Silberreich führte dann den Freund durch sein Haus und erklärte ihm die baulichen Änderungen, die er hatte vornehmen lassen, stellte ihm dann seine Frau und seine beiden Kinderchen vor und führte ihn durch Stall und Speicher, machte auch den Gast auf den Gänseverschlag aufmerksam, in dem eine Schar Stopfgänse stand; bei ihrem Anblick sah er das Auge des Herrn Silberreich aufleuchten. . Nach einer so freundschaftlichen Aufnahme glaubte sich Süßklang schon ein vertrauliches Wort gestatten zu können, und als ihn Herr Silberreich hinausbegleitete, sagte er bittend: „Vielleicht kannst Du etwas für meinen Vater tun? Sieh mal, Du meintest vorhin, für einen reichen Amerikaner sei es leicht, meinen Eltern ihr bisheriges Einkommen als Unterstützung zu geben. Da hast Du recht: für einen reichen Amerikaner ist die Summe eine Kleinigkeit; nur gehöre ich leider nicht zu den reichen Amerikanern, nicht einmal zu den wohlhabenden — Dir als altem Freunde kann ich's ja anvertrauen. Ich habe nur so viel, wie ich mit meiner Familie brauche, und um die Reise zu meinen Eltern zu ermöglichen, habe ich geraume Zeit sparen müssen." Herr Silberreich erinnerte sich, gehört zu haben, daß Süßklang in Chikago ein großes Geschäft ... „Gehabt", sagte mit trübem Gesichtsausdruck Süßklang, „gehabt, aber leider bei dem großen Krach vor sieben Jahren alles verloren. Doch" — fuhr er, sich selbst Mut machend, fort — „es kommt ja wohl wieder mat anders si deswegen verliere ich nicht den Mut." Silberreich geriet in Verlegenheit, und Herrn Süßklang entging es nicht, daß sein Benehmen nach diesem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.