Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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— 221 — Aussicht machen, daß die Gemeindebehörden den einmal gefaßten Beschluß umstoßen würden. „Aber sag einmal," — und bei diesen Worten legte Herr Silberreich seine Hand freundschaftlich auf Süßklangs Schulter, — „was macht das für Dich aus, wenn Du Deinen Eltern zu Hilfe kommst und ihnen etwa so viel Unterstützung gewährst, wie Deines Vaters Gehalt beträgt. Für einen reichen Amerikaner" — bei diesen Worten lächelte er verschmitzt — „ist eine solche Summe ja nur eine Lapalie, und etwas werden Deine Eltern ja auch gespart haben. Was brauchen so ein Paar alte Leute!" Bei diesen letzten Worten war düs Lächeln wieder vom Antlitz des Herrn Silberreich verschwunden. Sparen, meinte Süßklang bescheiden, sei wohl bei dem Einkommen seines Vaters sehr schwer; er habe zwar nicht mit seinem Vater darüber gesprochen, doch nehme er an. . . „Verlaß Dich drauf", fiel ihm Herr Silberreich in die Rede, „sie haben gespart." Dabei sprang er vom Stuhle auf, nahm aus einem Spinde ein Aktenstück und fuhr nach einigem Blättern, den Blick in das Buch, fort: „Ich bitt' Dich, Dein Vater hat ein monatliches Einkommen von über 100 Mark, und willst Du mir nicht sagen, wie zwei alte bescheidene Leute, wie Deine Eltern, das in unserm Städtchen verbrauchen sollen?" Man kam aus andere Dinge, so auch auf das Geschäft des Herrn Silberreich, das er von seinen Eltern übernommen und, wie er mit Stolz erzählte, in die Höhe gebracht hatte. Doch hier fiel dem Manne ein, er dürfe sein Geschäft nicht zu sehr loben, denn der Jugendfreund könne möglicherweise den Schluß ziehen, daß er für die alten Süßklangs etwas tun wolle, vielleicht gar aus eigener Tasche; das mußte also wieder eingerenkt werden, und Herr Silberreich griff nach einem andern Buche, das auf dem Tische lag, und darin blätternd, sagte er bedauernd: „Aber was hat man von dem schönen Einkommen? Am Ende des Jahres bleibt doch nichts übrig. Sieh