Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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219 deutlich sichtbaren Schwanken schritt er auch auf ihn zu und reichte ihm mit dem Gruße: „Scholaum aleichem!"') die Hand. Doch da fiel dem Manne ein, daß Salomon Süßklang nicht mehr zu den Glaubensgenossen zu rechnen sei, und wie um sich für die irrtümlich angewendete hebräische Grußformel zu strafen, schlug er sich auf den Mund und verbesserte sich: „Willkomm'!" Dann fragte er mit seiner eintönigen Stimme: „Nu, was passiert in Amerika?" Salomon Süßklang wußte ihm nichts rechtes zu erwidern, und damit war die Unterhaltung zwischen den beiden Männern beendet. Nachdem Herr Lamdam sich seines auf das Schächten bezüglichen Auftrages entledigt hatte, drehte er sich umständlich der Tür zu, wobei ec wieder reichlich Gelegenheit bot, seinen Rücken zu betrachten. In der Tür blieb er mit dem Drücker in der Hand stehen und sagte, halb der Tür, halb der Familie zugewendet: „Ja ja, so sind se, de Bal SBattim!2)" Teilnehmend fragte Frau Süßklang: „Haben Sie wieder Aerger mit Herrn Silberreich gehabt?" „I Gott bewahre," sagte erschreckt Herr Lamdam. „Ich mein' nich mir, ich mein' Ihren Mann." Fragend sah Frau Süßklang ihren Gatten an, der sich in diesem Augenblicke angelegentlich mit seiner Uhrkette beschäftigte, als ob er da ein widerspenstiges Glied einrenken wollte. Unruhig fragte die Frau ihren Mann, was Lamdam meine. „Ich mein' de Kindigung," erklärte Lamdam und fügte hinzu: „Nu, se werden schon sehen, was se an ne jungen Mensch haben werden." Und dann polterte der Mensch zur Tür hinaus. So wußten's auf einmal die beiden zugleich. Lamdam hatte den alten Mann der schweren Aufgabe überhoben, es seinen Angehörigen mitzuteilen. l) Friede mit Euch! 2) hier: Gemeindemitglieder.