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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 218

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 218 (sequence 33)
Language
German
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218 Brief in der Hand. Da hörte er seine Frau fröhlich auflachen, und es schnitt ihm ins Herz. Ja ja, die beiden hatten sich immer gut gestanden; es war derselbe Ton zwischen ihnen, wie zu der Zeit, da ihr Salomon noch ein Kind war. Er ging ans Fenster, nahm die Brille, die er aufs Fensterbrett gelegt hatte, wischte sie mit dem Taschentuch sauber und rückte sie auf der Nase zurecht. Da stand's schwarz auf weiß zu lesen, ohne Angabe von Gründen/ ohne ein Wort der Erklärung. Wieder ging er auf die Hinterstube zu, und wieder blieb er vor der Tür stehen. Er kämpfte mit sich und kam zu dem Schluß, seiner Frau und seinem Sohne nichts zu sagen, jetzt nicht, augenblicklich nicht. - Er wußte, wenn er seiner Frau, seinem Jettchen, das Geschehene mitteilte, dann müßte er aufschluchzen, und er würde ihr das Mittag verstören, und sie war in der letzten Zeit ohnehin schwach und elend. Und sein Sohn? Er schämte sich vor ihm; den hatte er ja zuerst abgewiesen, und jetzt, jetzt — den Alten überlief's eiskalt — sollte er von ihm abhängig sein! Ja, war er nicht aus ihn angewiesen, wenn er nicht tothungern wollte? Da klang die Stimme der beiden an der Küchentür, sie kamen wohl gleich herein. Der alte Mann steckte den Brief schnell in seine Brusttasche; nachmittags, abends vielleicht, morgen würde er's ihnen sagen. Beim Mittag erklärte Süßklang seinen geringen Appetit damit, daß er Kopfschmerzen habe, und als ihn seine Frau besorgt anblickte, sagte er, sie solle ihm nur sein Teil zum Abend ausheben, dann würde er schon wieder Appetit haben. Bald nach dem Mittagessen klopfte es, und etwas umständlich trat der Schammes*) Lamdam ein. Es dauerte einige Zeit, bis er die Tür richtig eingeklinkt hatte, und inzwischen konnte man seinen gekrümmten Rücken mit den eingezogenen Schultern gemächlich betrachten. Er reichte Herrn und Frau Süßklang linkisch die Hand, übersah erst ganz den Sohn, dann, nach einigem ') Synagogendiener.

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