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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 217

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 217 (sequence 32)
Language
German
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217 Na, der kam aber schön mit seiner Frage an. Wer aus Amerika kam, der war reich, für den war so ein Gemeindegehalt ein Butterbrot, so viel hielt er in seiner Westentasche für Trinkgelder bereit. Und merkwürdig, waren die Meinungen vorher in der Gemeinde geteilt, ob der Sohn Süßklangs reich oder arm sei, jetzt herrschte mit einem Male völlige Einigkeit. Der Mann war aus Amerika, der Mann mußte reich sein, der Mann war reich; man war in solchen Augenblicken einmütig bereit, jedermann Reichtümer zuzuerkennen. Hatte man sich auch in der Gemeinde vorgestellt, daß die Kündigung für die alten Leute keine Annehmlichkeit sein würde, so hatte man doch keine Vorstellung davon, wie hart diese Maßregel traf. Der alte Süßklang starrte lange das Papier an, das ihm den Gemeindebeschluß mitteilte. Ja, konnte es denn sein? Er, der der Gemeinde ein Menschenalter gedient hatte, entlassen? — Er faßte sich an seinen Kopf; es war wohl nur ein Traum, einer von jenen Träumen, die ihn sein Leben lang geängstigt hatten. Doch nein, es war Wirklichkeit, so scheint die Sonne nicht durchs Fenster im Traum. Und da hinten in der Küche hantierte sein Jettchen, daß die Töpfe nur so klangen, und dabei erzählte sie sich etwas mit ihrem Sohne. Er hörte doch deutlich ihre Stimme, also konnte es keine Täuschung sein. Er nahm die Uhr heraus, es war 10 Minuten nach 11, und richtig, da rückte auch der Sekundenzeiger langsam vor. Süßklang schüttelte den Kopf. Er glaubte noch nicht an die Wirklichkeit. Er kniff sich in den Arm, daß es ihn schmerzte; er kniff stärker, es schmerzte heftig. Das hatte er so noch nie im Traume gefühlt, körperlichen Schmerz nicht. Aber Weh, da im Herzen oft, genau so, wie er's jetzt fühlte. Sollt's nicht doch Täuschung sein? — Er mußte doch mal seine Frau und seinen Sohn hereinrufen und ihnen den Brief zeigen; vielleicht hatte er sich doch geirrt, vielleicht stand ganz was anderes darin, vielleicht träumte er doch. Er ging aus die Hintertür zu, den offenen

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