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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 216

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 216 (sequence 31)
Language
German
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216 - den Mann bis ins Greisenalter hinein zu halten, so bekamen es die Vorsteher mit der Angst, daß die Steuerlast zu stark anschwellen könnte, und — was noch schlimmer War — daß sie bei den nächsten Wahlen ihrer Würde verlustig gehen könnten, und sie beriefen die Gemeindevertretung zu einer Sitzung ein, mit der alleinigen Tagesordnung: „Verlängerung eines Kontrakts," und es wurde beschlossen, den Kontrakt mit Süßklang, der am 31. März abliefe, nicht mehr zu erneuern. War denn niemand im Rate der Gemeinde, der sich auf die Seite des Beamten stellte? Doch, es waren einige, die schon eben erwähnten Männer, die in schüchternen Worten ihre Einwendungen machten, daß der Mann doch schon recht lange in der Gemeinde sei, daß er seine Verdienste habe, und daß es eine Härte sei, ihn so ohne weiteres fortzujchicken. Das klang aber so verlegen, wurde mit so ungeschickten Worten vorgebracht und wirkte gar nicht überzeugend, auch auf diejenigen nicht, die keine eigne Meinung haben und immer mit denen gehen, deren laute Stimme der beste Beweis für die Stichhaltigkeit ihrer Gründe zu sein scheint. Und die schüchternen, ungewandten Leute waren nicht die ersten der Gemeinde, sie lebten in bescheidenen Verhältnissen, hatten Rücksichten zu nehmen und waren glücklich, wenn sie aus der Opposition herauswaren und mit der Majorität schwammen-, und die Wortführer, die lauten, energischen, zielbewußten, waren die Wohlhabenden, die Unabhängigen, die nach niemand zu fragen brauchten und an ihrem Geldspinde den besten Resonanzboden für ihre Worte hatten. Und dann führten sie einen Grund an, der am Ende für alle überzeugend klang: Niemals hätte man eine so gute Gelegenheit gehabt, und niemals wieder würde man eine so gute Gelegenheit finden, sich des alten Mannes mit guter Manier zu entledigen wie jetzt. Der Sohn müsse sich der Eltern annehmen, dazu war er verpflichtet, und wenn er erst abgereist wäre, sei die beste Gelegenheit verpaßt. Ob er auch die Mittel besäße, für dieEltern zu sorgen?—

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