Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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215 in der Gemeinde laut klingt; die Wohl hie und da ein- Wort zum guten reden, die sich aber leicht abweisen und: einschüchtern lassen. Und so wurde die Tonart gegenden alten Süßklang immer schärfer. Dieser Mann besaß einen eignen Dünkel. Glaubt, die ganze Gemeinde igno- - rieren zu können! Die Gemeinde und die Vorsteher! — Nicht ein Wort von der ganzen Angelegenheit, nicht ein Sterbenswort! — Ist das der Dank für die Nachsicht,- die man gegen ihn geübt, daß man ihm die Abtrünnigkeit seines Sohnes verziehen, daß man immer wieder den Kontrakt mit ihm erneuert hatte, obgleich er immer älter und gebrechlicher geworden war, obgleich die Zeit sicherlich nicht mehr ferne war, wo er sein Amt nicht mehr würde versehen können! Und was sollte geschehen, wenn der Mann wirklich sein Amt nicht mehr versehen konnte? — War man nicht ohnehin leichtfertig gewesen, daß man ihn so lange gehalten hatte? Unangebrachte Gutmütigkeit, und Schwäche war's, nichts als Schwäche. Wenn der Äeamte alt zu werden scheint, schickt man ihn fort; so hat's die Nachbargemeinde G. und manche andere gemacht. Dummheit war's, daß man es nicht ebenso gemacht hatte. Na ja. die Leute waren jederzeit brav gewesen. Was heißt Bravheit! — Das ist des Beamten verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, da danke ihm der Teufel dafür! — Er war ein tüchtiger und gewissenhafter Beamter, dessen Schechita‘) sich der frömmste Mann mit gutem Gewissen anvertrauen konnte, und dessen Chasonusch wahrhaft schön und erhebend war. Doch dafür hatte er jederzeit gute Bezahlung und anständige Behandlung gehabt! — „Und wer gibt uns was, wenn wir nicht mehr arbeiten können!" Also wurde hin- und hergeredet, und da einzelne robuste Männer auf die Vorsteher einredeten und sie fragten, ob sie wohl für den alten Mann und seine Frau sorgen wollten, wenn er plötzlich arbeitsunfähig würde, und daß es unverantwortlich von ihnen wäre, i) das rituelle Schächten. 2) Vorbeten.