Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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214 haben als die ihm gebührende Absage! Lüge war's bestimmt, daß jeder briefliche Verkehr zwischen ihnen aufgehört hatte! — Ja, ja richtig, jetzt wußte man sich auch das Schweigen der Leutchen über ihren Sohn zu deuten: Nicht Schmerz, nicht Trauer war's gewesen, nein, berechnende Klugheit, Raffiniertheit! — Solchen Leuten war eben alles zuzutrauen I Wohl merkte Süßklang, was um ihn her vorging, und daß man ihn nicht mit freundlichen Blicken ansah. Wie aber sollte er's ändern? Sollte er ausplaudern, was ihn bedrückte, sollte er das Mitleid der Leute anrufen? — Nein, das war ihm nicht gegeben. Was ihn bewegte, das hatte er immer noch in seines Herzens Innerstes verschlossen, tief, tief, wo es niemand sieht, wenn möglich auch vor seinem Jettchen; und jetzt, wo ihm das Herz zerrissen war, sollte er um Mitleid betteln, sollte er seine Angelegenheit vor der Gemeinde breit treten! — Und dann! — Sollte er gar erzählen, was da im wunden Herzen, ganz leise, leise, ihm selber unglaublich, für ein Hoffnungsfünkchen aufstieg, ganz von ferne, ganz von ferne, wie wenn man sich in fremder Gegend in der Dunkelheit verirrt hat und nach langem Umherirren ein Licht zu sehen vermeint — in weiter, weiter Ferne — da ist es schon verschwunden — da ist es wieder —; man weiß nicht, ist es ein Irrwisch, — ist es ein Licht, das eine gastliche Stätte anzeigt. — Es gibt Dinge, die man niemand anvertraut, die man sich selbst kaum einzugestehen wac>t, die man kaum auszusprechen vermag, weil sie unser Heiligstes berühren, das man wohl tief im Herzen fühlen, aber ebensowenig über die Lippen bringen kann, wie ein frommer Israelit sich scheut, an ungeweihter Stätte den Gottesnamen auszusprechen. Konnte sich denn keiner in die Seelenstimmung der Süßklangs versetzen? — Keiner in der Gemeinde? — Doch, es gab Gemeindemitglieder, die die alten Leute richtig beurteilten und volles Verständnis für ihre Art hatten. Aber das waren nicht diejenigen, deren Stimme