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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 213 (sequence 28)
Language
German
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213 Was für einen Sinn hatte es, daß die Leute die Schiwo*) um den Sohn gehalten hatten, wenn sie ihm jetzt liebevoll Haus und Herz öffneten! — Wären die Süßklangs anderer Art gewesen, wären sie unter die Leute gegangen und hätten den wahren Hergang erzählt! — Würden die Gemeindemitglieder erfahren haben, was sich gestern nach der Ankunft des Sohnes in ihrem Hause abgespielt hatte, man hätte dem wohl Verständnis entgegengebracht. Hätte der alte Mann den Leuten klar gemacht, wie wehe ihm zumute sei; hätte er vor diesem und jenem sein übervolles Herz ausgefchüttet; würde man hier und da Tränen in den Augen der Frau gesehen haben, das Erbarmen wäre in den Herzen aufgeflackert, das ließ sich gern anrufen, da war die Gemeinde an der wundesten Stelle zu Packen. Aber so! — Sich verschanzen hinter seiner Tür! — Keinem Einblick gewähren in das, was da vorging! — Und dann: Kam schon einer weit übers Meer nach dem Oertchen, aus dem Land, wo das Geld im Rinnstein liegt, so wollte man doch etwas von ihm sehen, wenigstens von den ihm Nächsten etwas über ihn hören! — Und auch das blieben die Leute der Gemeinde schuldig! — Doch was fragte so ein Beamter nach der Gemeinde! Von der nimmt man das schöne Geld und kehrt ihr im übrigen den Rücken! — Er hatte Schiwe gesessen — wozu? — Sicherlich nur, um der Gemeinde zu zeigen, daß ihm der Uebertritt des Sohnes nicht gleichgültig sei, um die zu beschwichtigen, die da meinten, an dem Schritte des Sohnes sei die Erziehung im Elternhause schuld. — Wenn der Sohn religiöser erzogen wäre, hätte er diesen Schritt nicht getan! — Und wenn er allen Ernstes hätte fürchten müssen, durch den Uebertritt jeden Zusammenhang mit der Familie zu verlieren, er hätte sich's wohl überlegt. Aber so? Man sah ja, wie's gemeint war! — Man hatte nur Komödie mit der Gemeinde gespielt, und die Briefe an den Sohn würden Wohl etwas anderes enthalten i) siebentägige Trauer.

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