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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 211

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 211 (sequence 26)
Language
German
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211 „Höre unsre Stimme, Ewiger, unser Gott, sei mild und barmherzig gegen uns, nimm wohlgefällig unser Gebet auf und laß uns nicht sünden- und sorgenschwer von Deinem Angesichte hinweggehen!" Wie er dann aber zu dem Gebete kommt, das die Sehnsucht nach dem Opferdienst im heiligen Tempel aus- Lrückt, fuhr es ihm blitzschnell durch den Sinn: „Opfer? -Opfer?-Ja, Gott verlangt Opfer!" — Und schwer fällt es ihm auf das Herz: Welches Opfer hast Du Gott gebracht? — Hast Du jemals Z'doko*) gegeben? — Konntest Du denn Z'doko geben? — Hat Dein kärgliches Einkommen je dazu gereicht? — Doch wäre es ein Opfer, wenn es ihm leicht würde? — Nein, schwer, recht schwer müßte es ihm werden, um so wohlgefälliger würde das Opfer in Gottes Augen sein. Und er tat ein Gelübde und sprach: „Wenn Du, o Ewiger, mein Gebet erhören und alles zum guten kehren wirst, daß ich wieder Freude haben kann an meinem Sohn und nicht mehr mein Antlitz vor Dir verdecken muß und nicht mehr mit Schimpf und Schande inmitten der Gemeinde einherzugehen brauche, so will ich . .. ." „So will ich — so will ich — —" Er sann ein Weilchen nach, und vor seinem Auge tauchte die Aermste in der Gemeinde auf, die rothaarige Riwke mit ihrem blödsinnigen Sohne, die draußen vor dem Städtchen am Beiß aulom in einem verfallenen Hüttchen wohnte. Und er vollendete das Gelübde. Dann wollte er der roten Riwke drei blanke Taler... Doch da zögerte er. Drei Taler waren für ihn ein Vermögen, und er mußte sie sich vom Munde . . . Und was würde sein Jettchen. . .? Gleich! Das Opfer mußte er bringen, und es mußte ihn schmerzen. . . Wenn ihm Gott die Gnade täte, die er in seinem Herzen innigst ersehnte, so wollte er der roten Riwke drei Taler blank und bar auszahlen. i) milde Gaben. 14*

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