Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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196 sein Jettchen, aber nur ein ganz klein wenig, wie wir uns das Höchste nicht ohne Menschenantlitz vorstellen können; aber göttliche Hoheit strahlte von ihrem Angesicht, und aus ihrem wunderbaren Auge leuchtete ihm etwas entgegen, das in seiner Brust ein so seliges Gefühl wachrief,, halb Sehnsucht, halb Frieden, und tief verbeugte sich der Chasan vor der glück- und friedenbringenden Erscheinung,, und weihevoll begrüßte er sie: „Tritt ein, o Braut! Tritt ein, o Braut!" Und diese Weihestimmung teilte sich der Gemeinde mit,, und alles Materielle und Alltägliche lag hinter ihnen,, und tief, tief verneigten sich alle und riefen: „Tritt ein, o Braut! Tritt ein, o Braut!" Jetzt war aus dem Herzen des alten Mannes alles- Vittere und Schmerzliche gebannt, und tief fühlte er dein Dichter des 92. Psalms die Dankbarkeit nach, daß esihm vergönnt sei, an heiliger Stätte Gott zu preisen. „Schön ist es, dem Ewigen zu danken, und Deinen Namen im Liede zu verherrlichen. Du Höchster!" — Und er pries den Frommen, der wie eine Palme , blüht, wie die Zeder auf dem Libanon emporwächst- „Gepstanzt in dem Gotteshause, in den Vorhäfen unsres- Gottes blühen sie. Noch ini Greisenalter tragen sie- Früchte, sind saftvoll und frisch, um zu verkünden, dafl Gott gerecht ist." Jetzt waren alle bitteren Gedanken verflogen, und als Süßklang das Kaddischgebet sprach, da dachteer nicht mehr an sich und sein Leid, da war er, befreit von allen kleinen und großen Sorgen, der Sendbote dew Gemeinde, der den Namen Gottes preist und Leben und- Frieden herabfleht auf ganz Israel. Und so pries er die ewige Liebe, mit der Gott stets sein Volk Israel geliebt hat, und so flehte er für seine- Gemeinde: „Gib, daß wir uns zu Bette legen. Ewiger, in. Frieden, und laß uns aufstehen von unserm Lager zum. Leben und halte fern von uns Feind und Krankheit und Schwert und Not und Sorge und birg uns im Schattew Deiner Fittiche!"