Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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195 „Jauchzet dem Ewigen, alle Lande! — Brechet aus in Jubel und spielet! — Spielet dem Ewigen mit der Zither, mit der Zither und lautem Gesang! Mit Trompeten und Posaunenschall jubelt dem Könige, dem Ewigen! Es brause das Meer und seine Fülle, das Erdenrund und seine Bewohner! Ströme sollen in die Hände klatschen und die Berge jubeln allzumal vor dem Ewigen!" Und niachtvoll schwillt die Stimme des Mannes da vorn an, und es ist nicht, als ob ein Greis, nein, ein jugendfrischer und kraftstrotzender Mann gewaltige Töne findet, uni Gottes Allmacht zu preisen. „Die Stimme des Ewigen wirft zuckende Feuerflammen. Die Stimme des Ewigen macht erbeben die Wüste, erbeben macht der Ewige die Wüste Kadesch. Die Stimme des Ewigen macht erzittern die Eichen und entblättert die Wälder, und in seinem Palaste ruft alles: „Herrlichkeit!" Jetzt intoniert Süßklang das Lecho Daudi, jenes herrliche, den Sabbat als Braut preisende Lied, dem Israel» der Bräutigam, glückträumend entgegenharrt. Da ist aller Gram vergessen, und dem alten Manne zieht die echte Weihestimmung ins Herz, und in flüchtiger Erinnerung sieht er sich im Festgewande, und auf ihn zu schreitet sein Jettchen, nicht alt und gebeugt, nein in jugendlicher Schönheit, biegsam und rotwangig, wie damals, als sie sich an heiliger Stätte fürs Leben vereinigten und Glück, nichts als Glück vom Himmel niederhing. Und als ihm dann die Verheißung von denLiPpen kam: „Nicht Scham und Schmach sollen Dich treffen, was gehest Du gebückt und seufzest schwer", da wurden ihm die Augen feucht, und die Tropfen fielen auf das Gebetbuch, und er machte keine Anstrengung, sie zurückzuhalten. Nun drehte er sich um, und mit ihm wandte sich die ganze Gemeinde dem Eingänge zu, denn jetzt mußte sie ja erscheinen, mit ihrem lieben trauten Angesicht, in ihrer jungfräulichen Weihe, die holde Sabbatbraut. Was leuchtete da für eine Innigkeit und Verklärtheit aus des alten Mannes Zügen! — Er sah die Braut, leibhaftig sah er sie. Wohl erinnerten ihre Züge leise an 13*