Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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192 - Krotoschin, „das is e Verdienst vor Geschäfte wie. . Hier besann er sich und fuhr fort: „Mei Sohn verdient wenigstens vierzig Perzent." „Nu ja," sagte Königsberger, dem es wirklich nicht darum zu tun war, den Verdienst des Herrn Abram Krotoschin zu kürzen, „der eine verdient weniger, der andre mehr." ° Süßklang war nicht, wie sonst am Sabbat, in gehobener Stimmung, als er im hell erleuchteten Gotteshause, das schwarze Käppchen auf dem Weißen Haare und den großen wollenen Tallis^) um die Achseln, vor den Omed^) trat. Der Gedanke an den Sohn, um den er Schiwo gesessen, den er aber nicht auch aus seinem Gedächtnis zu bannen vermochte, bedrückte sein Herz. Die Erinnerung beherrschte heute vollkommen seine Gedanken, und alle Worte des Gebetes traten in Beziehung zu ihm, der der väterlichen Religion den Rücken gekehrt hatte. Als er Gottes Größe im 145. Psalme pries und zu den Worten kam: „Ein Geschlecht rühmt dem andern Deine Werke, und Deine Machttaten verkünden sie." da legte sich's ihm aufs Herz, daß nach ihm keiner mehr aus seinem Geschlechts den Namen Gottes preisen würde, denn sein einziger Sohn war ein Meschummed?) Doch gleich einem Hoffnungsschimmer wollte es ihm wie aus weiter Ferne aufleuchten, als er sprach: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, langmütig und groß von Huld. Gütig ist der Herr gegen alle, und sein Erbarmen ist mit allen seinen Geschöpfen." Alle? — Alle seine Geschöpfe? — War damit nicht auch er gemeint, er, dessen der Vater nicht, und an dieser Stelle gewiß nicht, denken sollte, und der doch nicht aus seiner Erinnerung weichen wollte? Fast vorwurfsvoll klang seine Stimme bei den Worten: „Es stützt der Ewige alle Sinkenden und richtet auf alle Gebeugten." Gebetmantel. 2) Altar. 3) einer, der von seinem Glauben abgefallen ist.