Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116303--4781-3116520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188 „Sei so gut, mein Kind, und bind' mir die Chemisettbänder, zu! Wenn ich se mir bind', gehn se auf, und de Jungens lachen in Schul?" Jetzt schwiegen beide. Befremdete Süßklang das Schweigen der Gattin, oder merkte er, daß sie ihr Gesicht hinter seinem Rücken zu verbergen suchte, er drehte sich um und sah, wie zwei große Tropfen ihr die Wangen herunterrollten. Er kannte die Ursache dieser Tränen, und die behagliche Stimmung, die die Zurüstung zum Sabbat in ihm hervorgerufen hatte, war verflogen; es legte sich ihm wie ein drückender Mp auf die Brust, und die Augen wurden auch ihm feucht. „Warum verstörste Dir mit den Gedanken den Schabbes, mein Kind?" kam es nach einigen Augenblicken des Schweigens über seine Lippen. Die Frau kämpfte mit dem Schluchzen, endlich brachte sie ruckweise, mit kleinen Pausen die Worte heraus: „Du hast recht, Gerschem. Aber heut auf deni Wochenmarkt Hab' ich Behrs Minchen, die hier ist auf Besuch, mit ihrer Mutter bei de Fische getroffen; und wie se mich hat gesehen, is se auf mich zugekommen, ganz rot is ihr Gesicht gewesen vor Freud', Du weißt, se hat immer gespielt mit Salm. . ." Hier stockte die Frau und blickte erschrocken zu ihrem Manne hinüber, der ihr mit Heftigkeit wehrte: „Nenn' den Namep nicht, wir haben um ihn Schiwö gesessen!"^) Die Frau fuhr fort zu reden und vermied es nur. den Namen zu nennen, an dem ihr Mann Anstoß genommen hatte. „Hier in der Stub' haben se gespielt und draußen vor der Tür, und wir haben gedacht, se sollen einmal ein Paar werden. Und in de Aufregung, wie se sich so gefreut hat mit mir, fragte Minchen: Was macht Sal . . — Weiter hat se nich gefragt, se is zusammen- ') Synagoge. 2) Die 7 Trauertage wie um einen Toten gehalten-