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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 184 (sequence 27)
Language
German
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tatsächlich Wort hatten. Wir lesen in Achimaaz' Chronik von den Heldentaten eines Juden aus dem 10. Jahrhundert, der Italien durchquerte, allerorten Wunder wirkte und auch überall in der volkstümlichsten Weise empfangen wurde. Das war Aaron von Bagdad, der Sohn eines Müllers, der eines Tages fand, daß ein Löwe ihm das Maultier von der Mühle aufgefrefsen hatte, und sofort den Löwen einfing und ihn zwang, die Mühle zu drehen. Der Vater sandte ihn auf Reisen, denn er glaubte, ihn bestrafen zu müssen, weil er Zaubereien ausübte, nach drei Jahren sollte er zurückkehren. Er begab sich an Bord eines Schiffes und versicherte den Seeleuten, daß sie weder Seeräuber noch Sturm zu befürchten brauchten, weil er den Gottesnamen zu verwenden verstand. Er landete in Gaeta in Italien, wo er den Sohn seines Wirtes wieder in einen Menschen verwandelte, nachdem chn vorher eine Hexe in einen Esel verzaubert hatte. Das war nur der Anfang einer Reihe von Wundern, aber er ließ nicht etwa einem Ort den Vorzug, ihn allein zu besitzen. Später finden wir chn in Benevent, er geht zur Synagoge und erkennt dort, daß ein Jüngling den Namen Gottes aus seinem Gebet wegläßt und so zu erkennen gibt, daß er tot ist. Er begibt sich weiter nach Oria, nach Bari und so fort. Aehnliche Wunder erzählt der Midrasch von Wanderern, wie Erzvater Jakob, ähnliches erzählt man in den Lebensgeschichten christlicher Heiliger. Indes hatten die Juden ein wirkliches Mittel, sich den Weg abzukürzen, indem sie nämlich nützliche und erbauliche Unterhaltungen pflegten. „Reise nicht mit einem Am ho Orez", lautete die Ermahnung der alten Rabbis. Ein solcher, glaubten sie, wäre sorglos in Bezug auf die eigene Sicherheit und würde sich schwerlich mehr Sorgen um das Leben eines Genoffen machen. Aber abgesehen davon, würde ein Am ho Orez, wenn man an das Wort im Sinne eines unwissenden Menschen denkt, für eine ersprießliche Unterhaltung zu stumpfsinnig sein, und man würde also ebenso gut oder schlecht allein reisen wie mit einem langweiligen Gefährten zusammen. Aber die Bibel sagt von ihren Geboten: „Du sollst von ihnen reden, wenn

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