Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 28)
- Language
- German
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167 Du auf dem Wege gehst", und dies (um von den Gefahren ganz zu schweigen) war einer der Gründe, weshalb Alleinreisende nicht gern gesehen wurden. Ein Mann, der allein seines Weges zog, konnte mit größerer Wahrscheinlichkeit auf nichtige Gedanken kommen, als wenn er einen ihm ebenbürtigen Genossen hatte, mit dem er sich zu unterhalten vermochte, und die Mischna tadelt den Mann sehr streng, der sich von dem Studium auf dem Wege abwendet, um einen Baum oder ein Brachfeld zu bewundern. Das will nicht sagen, daß die Juden vollständig gleichgültig gegen die Schönheiten der Natur waren. Jüdische Reisende beschrieben oft die Szenerie der Länder, die sie besuchten, und Petachjah schwelgt geradezu in den herrlichen Gärten Persiens, die er in den lebhaftesten Farben ausmalt. Bekannt ist, daß es kaum eine bessere Beschreibung eines Sturmes auf hoher See gibt, als jene, die Jehuda Halevi auf seiner verhängnisvollen Reise nach Palästina verfaßte. In ähnlicher Weise hatte ein anderer jüdischer Reisender, Charisi, der sich über die halbe Welt lustig gemacht hat,' während seiner Wanderungen Verse geschrieben, um seine üble Laune zu vertreiben. Er ist vielleicht der unterhaltendste von allen jüdischen Reisenden. Nichts ist amüsanter als seine sichere Art, Menschen, mit denen' er zusammenkam. nach der Gastfreundschaft, die sie ihm gewährten, oder nach dem Gegenteil zu beurteilen. Ein ernsterer Reisender, Maimonides, muß, während er auf dem Pferde saß, einen Teil seiner Denkarbeit ausgeführt haben, wenn er seine täglichen Pflichten zu erfüllen und daneben noch seine gewaltigen Werke zu schreiben im Stande war. Tatsächlich erzählt er uns selbst, wie er einen Teil seines Mischna-Kommentars verfaßt hat, während er zu Wasser und zu Lande reiste. In Europa hatten die Rabbiner oft Nachbar-Gemeinden unter ihrer Obhut, und wenn sie hin und her fuhren, nahmen sie ihre Bücher mit und lasen sie in der Zwischenzeit. Maharil nahm auf solchen Reisen stets Notiz von den Sitten der Juden, die et an den verschiedenen Orten gesehen hatte. Er war auch ein sehr geschickter und erfolgreicher Heiratsvermittler. Seine ausgedehnten Reisen verschafften ihm