Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Kummer über die Trennung von der Familie und — über die Verödung Palästinas. Ein solcher Briefschreiber erzählt voller Trauer, wie er durch die Straßen von Zion marschierte, wie er an die Vergangenheit dachte und seine Tränen nur darum zurückhielt, damit die Araber, die ihn beobachteten, seinen Kummer nicht sehen und verlachen könnten. Ein anderer Schreiber aus dem Mittelalter, Nachmanides, hat nach einer Ueberlieferung den Gipfel der Gefühle erreicht und folgendermaßen ausgesprochen: „Ich wurde gewaltsam aus meiner Heimat vertrieben. Ich verließ Söhne und Töchter, und mit den Teuren und Lieben, die ich aus meinen Knieen großgezogen habe, ließ ich auch meine Seele zurück. Mein Herz und meine Augen werden ständig bei ihnen sein, aber welche Wonne, auch nur einen Tag in Deinen Vorhallen zu verleben, o Jerusalem, die Ruinen des Tempels zu besuchen und über die Zerstörung des Heiligtumes zu wehklagen, wo ich Deine Steine liebkosen, Deinen Staub küssen und über Deinen Trümmern weinen kann! Ich weinte bitterlich, aber ich fand Seligkeit in meinen Tränen." Und mit diesen Gedanken wollen wir unseren Gegenstand verlassen. Besser als andere kann der Reisende mitten unter den Trümmern, die Menschen angehäuft haben, sich in die Hoffnung auf eine Wiedererbauung durch Gott hineinleben. Ueber Berge von Zwietracht hinweg sieht er den nahenden Anbruch des ewigen Friedens. Die Welt muß noch viele Leiden durchmachen, bevor das neue Jerusalem erstehen kann, um in seine liebende Umarmung alle Länder und alle Menschen einzuschließen, aber der Reisende hilft.mehr als irgend ein anderer die Zeit des Heils herbeiführen, er überfliegt die Meere, er führt die Völker einander näher, er zeigt den Menschen, daß es viele Arten zu leben und zu lieben gibt. Er lehrt sie tolerant sein, er erzieht sie zur Menschlichkeit, indem er ihnen ihre Brüder weist, der Reisende ist es, „der in der Wildnis einen Weg bereitet, der in der Wüste eine Hochstraße für den Herrn herrichtet".