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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 180 (sequence 23)
Language
German
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182 Verschiedenen Staaten als Gesandter und als Vermittler von Nachrichten. Der berühmte englisch-jüdische-Kaufmann Carvajal versorgte Cromwell mitwertvollenJnformationen, ebenso verfuhren andere jüdische Kaufleute mit den Herrschern, deren treue Untertanen sie waren. Im 15. Jahrhundert wandte sich Heinrich von Portugal an die Juden, um nähere Nachricht über das Innere von Afrika zu erhalten, und kurz darauf erhielt der König Johann von Portugal genaue Mitteilungen über Indien 'von zwei jüdischen Reisenden, die viele Jahre in Ormuz und Kalkutta zugebracht hatten. Es ist sicher nicht nötig, mehr Einzelheiten dieser Art hinzuzufügen. Der jüdische Kaufmann war nicht ausschließlich Handelsmann. Er beobachtete die Gegend und nahm besonders Kenntnis von der Zahl, der Beschäftigung der Juden, von ihren Synagogen, ihren Schulen, ihren Lastern und ihren Tugenden. Tatsächlich war es so, daß der jüdische Reisende, wenn er sich weit weg von der Heimat befand, dort mehr heimisch war als viele Zeitgenossen anderen Glaubens, wenn sie zu Hause waren. Er hatte jenes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit allen Juden, das besonders stark bleiben und vollständig aufrecht erhalten werden konnte, weil keine politischen Streitigkeiten vorhanden waren, die sie in feindliche Lager trennten. Die Verbindung zwischen dem Reisenden und seiner Heimat wurde durch ein anderes Band aufrecht erhalten. Eine besondere Seite des Wanderlebens der Juden bilden ihre brieflichen Mitteilungen nach Hause. Das ums Jahr 1200 verfaßte Buch der Frommen sagt „Wenn jemand die Stadt, in der Vater und Mutter leben, verläßt und sich nach einem Orte der Gefahr begibt und Vater und Mutter ängstlich auf Nachricht warten, so ist es die dringende Pflicht des Sohnes, sobald er 'irgend kann, einen Boten zu entbieten und Vater und Mutter einen Brief zu senden, in dem er ihnen mitteilt, wann er den Ort der Gefahr verläßt, damit ihre Angst beruhigt werden kann." Zweimal jährlich schrieben alle Juden Familienbriefe, zu Neujahr und zu Pesach, sie sandten

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