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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 176

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 176 (sequence 19)
Language
German
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WW WWWWFWMWWWWWWWWWMWWU — 178 — ein Gastmahl des religiösen Gebots, und alle frommen Männer hielten es für ihre Pflicht, es durch Beiträge und durch ihre persönliche Anwesenheit zu ehren. Man hielt das Mahl in dem Festsaal der Gemeinde ab, der in der Regel für Hochzeitsfeiern benutzt wurde. Kam eine Hochzeitsgesellschaft von auswärts, so wurden ähnliche Vorkehrungen für das allgemeine Vergnügen getroffen. Männer zu Pferde zogen aus, um die Braut zu begrüßen, auf der Straße wurden Scheinturniere ausgefochten, Fackelzüge wurden veranstaltet, wenn es auf die Nacht zuging. In Italien und am Rhein machte man Bootfahrten. Eine Musikkapelle der Gemeinde, die auf ihre Kosten erhalten wurde, spielte fröhliche Weisen, und jedermann tanzte und stimmte in die allgemeine Freude ein. Die Musikanten zogen oft von Ort zu Ort, und sie wurden auch für die Festlichkeiten der Nichtjuden gemietet, wie andererseits die Juden christliche oder mohammedanische Musiker verwendeten, damit sie sie am Sabbat oder an Festtagen belustigten. Es darf uns demnach nicht wundern, wenn ein Reisender wie ibn Esra nicht ein Querulant, sondern ein fröhlicher Beobachter des Lebens wurde. Er hatte zu leiden, aber er war heiter genug, um witzige Epigramme zu verfassen und ausgelassene Weinlieder zu improvisieren. Er war ein vorzüglicher Schachspieler und hat ohne Zweifel dazu beigetragen, dieses Spiel aus dem Osten in Europa zu verbreiten. Ein anderer Dienst, den solche Reisende erwiesen, war die Verbreitung von Wissen vermittels ihrer Uebersetzungen. Durch ihre Wanderungen erlangten sie vorzügliche Sprachkenntnisfe und wurden dadurch fähig, wohin sie kamen, Werke aus den Gebieten der Medizin, der Astronomie und anderer Wissensgebiete in die Landessprache zu übersetzen. Sie wurden mitunter auch von Fürsten ausgefchickt, damit sie neue Instrumente für »die Schiffahrt suchten und heimbrachten. So war der „Baculus", welcher Columbus dazu verhalf, Amerika zu entdecken, durch Juden nach Portugal gebracht worden, und ein französischer Jude hatte ihn erfunden. Die Reisenden wurden besonders ausgesucht, wenn sie die

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